In den 1980er Jahren war Gloria von Thurn und Taxis als "Punk-Prinzessin" die Lieblingsfigur der Klatschspalten, Stammgast im internationalen Jetset und Symbol einer schillernden Aristokratie, die sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen schien.

Die Frau mit den pinken Haaren ist verschwunden. Geblieben ist die Lust an der Provokation – nur hat sie ihre Richtung geändert.

Heute spricht sie auf Kongressen konservativer Netzwerke über den Niedergang des Westens, verteidigt Björn Höcke, lobt Donald Trump und begründet ihre politischen Positionen immer wieder mit ihrem katholischen Glauben. Kurzum, sie betreibt Kulturkampf von ganz rechts. 

Von der Punk-Prinzessin zur Kulturkämpferin

Dieser Wandel vollzog sich nicht über Nacht. Nach übereinstimmenden Darstellungen markiert der Tod ihres Mannes Johannes Fürst von Thurn und Taxis im Jahr 1990 eine biografische Zäsur.

Aus der jungen Witwe, die das verschuldete Familienvermögen sanieren musste, wurde eine Unternehmerin – und zunehmend eine öffentliche Verteidigerin des katholischen Glaubens. Während Mode und Exzentrik früher ihre öffentliche Rolle bestimmten, rückten nun Beichte, Liturgie und kirchliche Tradition in den Mittelpunkt ihrer Auftritte. 

Dabei vertritt Gloria von Thurn und Taxis keinen bloß kulturellen Katholizismus. Ihre Wortmeldungen zeichnen das Bild einer Kirche, die sich gerade nicht dem gesellschaftlichen Wandel anpassen dürfe. Wiederholt warnt sie vor einer "Anpassung an den Zeitgeist", fordert eine geistliche Rückbesinnung und wirbt für traditionelle Frömmigkeitsformen wie die Beichte.

Christ:innenen müssten ihre eigenen Traditionen selbstbewusst pflegen. Nur dann könnten sie auch den Respekt anderer Religionen erwarten. Weihnachten, Namenstage oder das Sakrament der Versöhnung erscheinen bei ihr nicht als Folklore, sondern wie Bollwerke gegen eine säkularisierte Gesellschaft. 

Ein traditionalistischer Katholizismus mit politischer Botschaft

Ihre Frömmigkeit bleibt jedoch nicht in der Kirche. Sie bestimmt bei Gloria von Thurn und Taxis die politische Agenda. Schwangerschaftsabbrüche bezeichnet sie seit Jahren als Mord. In einem Weihnachtsbeitrag zog sie eine direkte Linie vom Kindermord des Herodes zu heutigen Abtreibungen.

Familienpolitik, Lebensschutz und die Verteidigung christlicher Traditionen verbindet sie regelmäßig zu einem umfassenden Gesellschaftsentwurf. Dass sie Reformen innerhalb der katholischen Kirche skeptisch sieht und große Hoffnungen auf den sehr traditionsbewussten Kardinal Gerhard Ludwig Müller setzt, fügt sich in dieses Bild. Müller sei, sagte sie 2019, der "Donald Trump der katholischen Kirche". Das war als Kompliment gemeint.

Theologisch lässt sich ihre Position den Quellen zufolge als klar traditionalistisch beschreiben. Die "New York Times" charakterisierte sie als eine der prominentesten Unterstützerinnen jenes katholischen Milieus, das den vorsichtigen Reformkurs von Papst Franziskus ablehnte. Auch katholische Medien beschreiben sie als Vertreterin einer konservativen bis traditionalistischen Linie. 

Wenn Glaube zur politischen Agenda wird

Ihre Netzwerke reichen weit über die Kirche hinaus. Belegt sind Kontakte zum früheren Trump-Berater Steve Bannon, den sie nach eigenen Angaben mit hochrangigen Kirchenvertretern zusammenbrachte. Bannons Plan, seine geplante Kaderschmiede zeitweise auf Schloss St. Emmeram unterzubringen, wies sie allerdings zurück.

Ebenso dokumentiert sind Begegnungen mit den AfD-Politiker:innen Maximilian Krah und Alice Weidel, Ungarns damaligem Ministerpräsident Viktor Orbán, dem konservativen US-Supreme-Court-Richter Samuel Alito sowie Auftritte beim World Congress of Families und beim National Conservatism Congress – Veranstaltungen, auf denen religiöser Traditionalismus, konservative Familienpolitik und nationalkonservative Politik zusammentreffen. Die Qualität dieser Verbindungen unterscheidet sich: Mal ist Gloria von Thurn und Taxis Gastgeberin, mal Rednerin, mal Gesprächspartnerin. 

Auffällig ist zugleich, wie eng sie religiöse und politische Argumentation miteinander verknüpft. Beim National Conservatism Congress 2024 stellte sie staatlich finanzierte Schwangerschaftsabbrüche in einen Zusammenhang mit sinkenden Geburtenzahlen – eine Argumentation, die beispielsweise der Soziologe Andreas Kemper als Anschluss an die Verschwörungserzählung vom 'Großen Austausch' einordnet.

Religion als Fundament einer politischen Ordnung

Wer Gloria von Thurn und Taxis heute verstehen will, kommt  mit der Erzählung von der exzentrischen Adligen nicht mehr weit. Ihre eigentliche Bedeutung liegt längst nicht mehr im Adelstitel oder in der Erinnerung an den Jetset der 1980er Jahre.

Sie ist zu einer prominenten Vermittlerin zwischen katholischem Traditionalismus und einem internationalen konservativen Milieu geworden, das Religion nicht in erster Linie als Glaubensfrage versteht, sondern als Fundament einer politischen Ordnung.