Ich bin am Fuße der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Nach dem Abitur 1996 habe ich den Wehrdienst verweigert und stattdessen Zivildienst in der Betreuung älterer Menschen geleistet. Diese Zeit hat mich geprägt – und mir zugleich ziemlich eindeutig gezeigt, dass die Pflege nicht mein Beruf werden würde. Schon damals waren Personalmangel und Unterfinanzierung unübersehbar.
Eigentlich wollte ich danach in Tübingen nur Germanistik und Philosophie studieren. Tatsächlich bin ich eher zufällig im Journalismus gelandet und habe bei einem Praktikum beim "Schwäbischen Tagblatt" meine ersten Erfahrungen gesammelt. Dass daraus einmal mein Beruf werden würde, konnte ich mir damals noch nicht vorstellen.
2000 zog ich zum Weiterstudieren nach München. Statt an der Universität verbrachte ich jedoch bald mehr Zeit beim Hip-Hop-Magazin JUICE als im Hörsaal – und ein Jahr später verschlug es mich nach Berlin. Dort blieb ich fast zwanzig Jahre. Ich arbeitete zunächst beim Untergrund-Plattenlabel Royal Bunker, schrieb anschließend als Freelancer für fast alle wichtigen deutschen Rap-Medien und absolvierte Praktika bei der "taz", dem "Tagesspiegel" und dem "Neuen Deutschland".
2011 wurde ich Chefredakteur von Rap.de und leitete acht Jahre lang eine der größten deutschen Musikseiten. Fast jeder bekannte deutsche Rapper beleidigte mich irgendwann in einem Song oder verklagte mich – manche sogar beides. Vor allem aber habe ich dort gelernt, wie Onlinejournalismus funktioniert: unter hohem Tempo, nah an den Debatten der sozialen Medien und meist in Lebenswelten, die mit dem akademischen Milieu wenig zu tun hatten. Diese Jahre prägen meinen Blick auf Journalismus bis heute.
Parallel dazu erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Nach Bachelor und Master wechselte ich 2019 zu watson. Dort arbeitete ich zunächst als Nachrichtenredakteur, später als Chef vom Dienst. In dieser Zeit lernte ich, Nachrichten unter Zeitdruck zu produzieren und große Nachrichtenseiten redaktionell zu steuern.
Mit der Corona-Pandemie fand ich zu meinem evangelischen Glauben zurück. Eine lebendige Gemeinde in Berlin-Friedrichshain wurde für mich zur geistlichen Heimat – und schließlich auch zum Ausgangspunkt für einen beruflichen Neuanfang.
Seit 2021 arbeite ich als Online-Redakteur und Chef vom Dienst beim Sonntagsblatt in München. Die Rückkehr nach Bayern fiel mir leichter als gedacht. Heute beschäftige ich mich vor allem mit den Schnittstellen von Politik, Gesellschaft, Medien und Kultur zu Glaube, Kirche und Ethik. Besonders interessiert mich, wie sich Kirche in einer sich rasant verändernden Gesellschaft neu orientiert – und welche Rolle Journalismus dabei spielen kann.