Der technologische Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz schreitet rasant voran. Zuletzt häuften sich allerdings die Berichte über Cyberattacken durch die KI. Nun hat am Rande einer UN-Generalversammlung eine Gruppe von 22 Staats- und Regierungschefs eine internationale Aufsicht gefordert.
Die Gruppe, die von den Initiatoren Finnland und Norwegen ins Leben gerufen wurde, forderte in einer gemeinsamen Erklärung den Aufbau einer weltweiten Kontrollbehörde sowie verbindliche Sicherheitsregeln für die Entwicklung von KI-Systemen. Auch Deutschland, Australien, Kanada, Singapur und Südafrika haben sich dem Dokument angeschlossen. Konkret heißt es in der Erklärung, dass KI-Systeme „unter menschlicher Leitung, Aufsicht und Kontrolle“ bleiben sollen, verbindliche Sicherheitstests vor der Einführung durchgeführt werden müssen und die Staatengemeinschaft die Schaffung einer internationalen Aufsichtsinstanz prüft.
Die USA und China haben die Erlärung nicht unterzeichnet, obwohl sie derzeit weltweit um den Einfluss auf die Schlüsseltechnologie konkurrieren.
China und die USA haben eigene KI-Strategien
China und die USA gehen ganz andere Wege. China hatte schon im Juli 2026 für die Gründung einer internationalen Organisation für die Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz vorgeschlagen. Ministerpräsident Li Qiang hatte seine Initiative auf der Welt-KI-Konferenz in Shanghai vorgestellt – und warb dort ebenfalls für gemeinsame Regeln, aber auch für einen breiten Zugang zur Technologie.
Li warnte, Künstliche Intelligenz drohe zu einem "exklusiven Spiel" weniger Staaten oder Unternehmen zu werden. Zugleich warb er dafür, die Technologie offen zu halten, damit alle Länder und Unternehmen gleiche Möglichkeiten zur Nutzung und Entwicklung von KI erhielten. Auch betonte er das Interesse Chinas, die Technologie insbesondere mit Ländern des sogenannten Globalen Südens zu teilen.
Die US-Regierung wiederum hatte noch vor der Tagung in Shanghai eine eigene KI-Strategie unter Präsident Donald Trump vorgestellt. Diese zielt darauf ab, den Export amerikanischer KI-Technologien an Verbündete auszuweiten und die technologische Führungsrolle der Vereinigten Staaten gegenüber China zu sichern. Gleichzeitig haben die USA in den vergangenen Jahren Exportbeschränkungen für besonders leistungsfähige KI-Chips und Chipfertigungstechnologien nach China verhängt. Washington begründete dies mit Sicherheitsbedenken und möglichen militärischen Anwendungen der Technologie.
Internationale Organisation für die Künstliche Intelligenz
Der Vorstoß auf der UN-Generalversammlung und die Positionen der USA und China machen deutlich, dass es schwer werden dürfte, eine internationale Organisation zu gründen. Denn die Ziele, Absichten und Kulturen sind sehr verschieden.
Die internationalen Regelungen sind zersplittert, die Staaten verfolgen unterschiedliche regulatorische Ansätze und haben sehr verschiedene institutionelle Vorgaben. Hinzu kommt der große wirtschaftliche Druck – mit der begrenzten Verfügbarkeit leistungsfähiger KI-Chips, Engpässen bei Rechenkapazitäten sowie Einschränkungen beim internationalen Austausch von Fachkräften und Unternehmen.
Zunächst wird es also darum gehen, Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Industrie an einen Tisch zu bringen, um Ziele und Strategien abzugleichen.
Ohne eine stärkere Koordination wird es kaum möglich sein, ein Regelwerk für den Umgang mit KI zu entwickeln. Immerhin kommt endlich Bewegung in die Sache. Nun gilt es, mutig und rasch die nächsten Schritte zu gehen.
Internationale Gerichtshof als Vorbild?
Orientieren könnten sich die Machthaber an der Gründung des Internationalen Gerichtshofes nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals bestand ein breiter Konsens, dass internationale Konflikte nicht mehr militärisch gelöst werden können.
Der Gerichtshof war die institutionelle Antwort auf ein Problem, dass von vielen Staaten gleichzeitig als existenziell wahrgenommen wurde. Faktisch erkannten die Großmächte damals, dass die Regeln ihnen allen langfristig selbst nutzen würden.
Der glaubwürdigste institutionelle Anker für eine globale KI-Institution wäre vermutlich die UNO. Interessanterweise fordert China in dem landeseigenen Framework, das kürzlich veröffentlicht wurde, ausdrücklich eine starke Rolle der Vereinten Nationen in der globalen KI-Governance. Dies könnte durchaus genutzt werden, um die Akteure endliche an einen Tisch zu bringen.