Mit einer großen "Festmeile" und zahlreichen Veranstaltungen feiert Bayreuth in diesem Jahr ein großes Jubiläum: Vor 150 Jahren fanden die ersten Festspiele auf dem Grünen Hügel statt. Zum Auftakt gibt es eine große Festmeile am 24. und 25. Juli auf dem Luitpoldplatz mit Konzerten und Musikaufführungen. Die Festmeile soll zeigen, wie lebendig, vielfältig und innovativ die Musikszene Bayreuths ist, erklärten die Veranstalter.
Das von Richard Wagner geprägte Konzept des "Gesamtkunstwerks" wird für das Jubiläumsjahr neu interpretiert: Musik, Kunst, Theater, Street-Art und Innovation sollen zu einem einzigartigen Erlebnis zusammenschmelzen. Historische Stücke treffen auf moderne Inszenierungen, klassische Klänge auf zeitgenössische Formate. Neben dem Festspielhaus sollen auch andere Orte gefeiert werden. So sollen bis Dezember im gesamten Stadtgebiet im und Landkreis rund 150 Bühnen bespielt werden.
Anders als sonst beginnen die Festspiele mit einer historischen Aufführung: Zum Auftakt wird Ludwig van Beethovens 9. Symphonie unter Leitung von Christian Thielemann aufgeführt, ein Werk von zeitloser Größe und visionärer Kraft, das Richard Wagner nachhaltig geprägt hat. Ergänzt wird das Programm durch das Vorspiel aus "Die Meistersinger von Nürnberg" sowie den Einzug der Gäste aus "Tannhäuser".
Stadt feiert das Jubiläum der Festspiele mit Programm
Für das große Jubiläum wurde das gesamte Stadtbild auf Vordermann gebracht: Baustellen wurden weitgehend aufgelöst und auch das Straßenbild hat sich verändert. So wurden an Straßenschildern, die die Namen historisch umstrittener Persönlichkeiten tragen, sogenannte Ergänzungsschilder angebracht. So ist auf dem Schild unter der Wagner-Straße jetzt zu lesen: "Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner antisemitischen Haltung." Das Ergänzungsschild an der Bismarckstraße weist auf Otto von Bismarcks "problematische Außen- und Kolonialpolitik" hin und jenes an der Karl-Muck-Straße auf die aktive Mitwirkung "am Aufstieg der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft". Muck war langjähriger Dirigent bei den Bayreuther Festspielen.
Das Festzelt für die offizielle Eröffnung am Samstag im Schlossgarten steht, die Sektgläser wurden schon angeliefert, und auch der Eklat um den Publizisten Michel Friedman scheint inzwischen ad Acta gelegt worden zu sein, nachdem sich Intendantin Katharina Wagner entschuldigt hat. Die Gedenkveranstaltung "Verstummte Stimmen" am Vormittag des 26. Juli, bei der Friedman über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen soll, findet nun wie geplant statt.
Das Festspielhaus, das 1872 errichtet wurde und in dem 1876 die ersten Festspiele mit der Aufführung von "Rheingold" stattfanden, bleibt derweil von den ganzen Stürmen wie unberührt - und steht den zahlreichen Gästen aus aller Welt offen.
Gäste, die angereist sind und keine Karten für die Festspiele mehr erhalten, können derweil ein anderes Schmuckstück in Bayreuth betrachten: Das Markgräfliche Opernhaus gilt als Paradebeispiel für ein barockes Hoftheater. Es wurde 2012 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes eingetragen.
Geschichte der Bayreuther Festspiele
Ab 1849 skizzierte der 1813 in Leipzig geborene Komponist Richard Wagner zum ersten Mal seine Vision vom "Gesamtkunstwerk der Zukunft" in Form der Festspiele. Erst nach einem Besuch 1871 in Bayreuth nahmen die Pläne konkrete Form an, bis 1876 die ersten Festspiele stattfinden konnten. Die Anfangsjahre des Betriebs waren stark geprägt von Geldmangel.
- 1872: Spatenstich für das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth
- 1876: Aufführung von "Rheingold" eröffnet die ersten Festspiele
- 1882: Zweite Bayreuther Festspiele mit Uraufführung des "Parsifal"
- 1883: Richard Wagner stirbt in Venedig, Witwe Cosima Wagner übernimmt die Leitung
- 1908: Sohn Siegfried Wagner übernimmt die Leitung
- 1924: Erste Festspiele nach dem Ersten Weltkrieg
- 1930: Siegfried Wagner stirbt an einem während der Proben erlittenen Herzinfarkt, Witwe Winifred Wagner übernimmt die Leitung
- 1933: Durch die persönliche Nähe von Winifred Wagner zu Adolf Hitler werden die Festspiele staatlich finanziert; bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs sind Hitler und weitere hochrangige NS-Vertreter Dauergäste in Bayreuth
- 1940 bis 1944: Hitler ordnet "Kriegsfestspiele" für Rüstungsarbeiter und Kriegsverwundete an
- 1951: Erste Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg mit Neuinszenierung des "Parsifal" durch Wieland Wagner (Sohn von Siegfried und Winifred)
- 1976: Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen der Festspiele mit Aufführung des "Jahrhundert-Rings" unter der Leitung von Wolfgang Wagner (Sohn von Siegfried und Winifred)
- 2008: Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier (Töchter von Wolfgang Wagner) übernehmen die Leitung, seit 2016 führt Katharina Wagner die Festspiele allein