Bayreuth, München (epd). Das von den Bayreuther Festspielen zunächst abgesagte Gedenkkonzert mit einem Redebeitrag des Publizisten Michel Friedman soll nun doch stattfinden. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Donnerstagabend berichtete, habe sich Festspielleiterin Katharina Wagner bei Friedman entschuldigt und ihn eingeladen, zu den Festspielen zu kommen. "Eine reine Jubelfeier wäre für mich unerträglich!", habe die Urenkelin Richard Wagners am Donnerstagnachmittag in einem Brief an Friedman geschrieben.
Die Festspiele feiern im Juli und August ihren 150. Jahrestag. Ebenfalls laut der SZ habe man ursprünglich ein Gedenkkonzert am Vormittag des 26. Juli unter dem Titel "Verstummte Stimmen" geplant. Michel Friedman, früherer stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, hatte über Wagners Antisemitismus und die NS-Vergangenheit der Festspiele sprechen sollen.
Großer Protest gegen Absage
Die Veranstaltung war in keinem Programm verzeichnet und noch kein Vorverkauf gestartet. So erfuhr die Öffentlichkeit erst durch Friedmans Veröffentlichung der Absage überhaupt erst von dem geplanten - und dann wegen Sicherheitsbedenken wieder abgesagten - Event. Nach neuen SZ-Informationen sei jedoch schon seit spätestens Mitte März intern klar gewesen, dass man das Gedenkkonzert mit der Rede Friedmans nicht realisieren werde.
Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen zu streichen, das "ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord", sagte Friedman Anfang der Woche im Interview mit der SZ. "Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt." Auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sowie der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle hatten sich empört geäußert.
Friedman nimmt Entschuldigung an
Katharina Wagner habe nun per Telefon für die "Fehleinschätzungen" der Festspiele und die "fatalen Nachrichten" um Entschuldigung gebeten. Sie sicherte Friedman zudem später in ihrem Brief zu, die Veranstaltung wie ursprünglich geplant abhalten zu wollen. Es sei ihr wichtig, "der schrecklichen Dinge zu gedenken, mit denen die Festspielgeschichte fatal verknüpft ist". Nach einiger Überlegung habe er zugesagt, sagte Friedman am Abend auf Anfrage der SZ: "Ich nehme ihre persönliche Bitte um Entschuldigung gerne an. Wenn sich jemand bewegt, sollte man sich mitbewegen."