Helle und freundliche Farben, offene Türen und viel Glas: Die Erlöserkirche Tirschenreuth ist nach einer Umbau- und Planungsphase von sieben Jahren fertiggestellt. Am 19. Juli wird der neue Kirchenraum mit integriertem Gemeindezentrum vom evangelischen Regionalbischof Klaus Stiegler bei einem Gottesdienst wiedereröffnet.

Ein Foyer verbindet den Kirchenraum mit einem großräumigen Gemeindesaal. Ein barrierefreier Eingangsbereich sowie rollstuhlgerechte Zugänge zu den Innenräumen und zum Innenhof wurden geschaffen. Eine Heizzentrale mit Pelletofen versorgt jetzt das gesamte Kirchenareal inklusive des Kindergartens und Pfarrhauses. Nach den Jahren der Planungen und des Umbaus sei die Freude groß, endlich einziehen zu können, sagt die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Barbara Schattauer-Züllich.

Einladende und offene Kirche

Der Kirchenraum behält dabei den Charakter eines sakralen Raumes, soll aber über den Gottesdienst hinaus auch für andere Veranstaltungen wie Theater, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Spielenachmittage und Gesprächsforen genutzt werden. Die Altarstufen wurden dafür zu einem großen Podium erweitert. "Wir möchten uns als Kirchengemeinde inhaltlich öffnen und dies auch durch unsere Räumlichkeiten ausdrücken", sagt Schattauer-Züllich.

Der Kirchenvorstand habe einen Raum schaffen wollen, der für alle da ist sowie flexibel und inklusiv für alle erreichbar, erläutert Pfarrer Andreas Kraft. "Wer kommen mag, soll einen Platz in diesem Raum finden. Wir wollen eine einladende Kirche sein, mit vielfältigen Möglichkeiten des Gemeindelebens."

Anstoß zum Umbau gab eine Erbschaft

Das Gebäude hat bereits mehrfach Umbauten erlebt. Bevor es am 21. August 1904 zur Erlöserkirche geweiht wurde, beherbergte es einen Gasthof samt Turnhalle. Den Anstoß für den aktuellen 1,5 Millionen Euro teuren Umbau gab eine Erbschaft, die der Kirchengemeinde überlassen wurde, sagt Kraft. Mit deren Hilfe und der Aktion Mensch sowie Zuschüssen der bayerischen evangelischen Landeskirche und der Stadt Tirschenreuth sei das Projekt gestemmt worden.

Den Grundstein für den Umbau legte Pfarrerin Stefanie Schön im Jahr 2019. Die Idee dahinter: "Wir wollten das Leben und den Alltag ins Gotteshaus holen, weil Gott genau da ist, wo die Menschen leben, kreativ sind und gemeinsam etwas machen." Schön holte die Gemeinde für die Planungen mit ins Boot und stellte einen Zuschussantrag nach dem anderen. "Alle haben an einem Strang gezogen, es war eine wunderbare und inspirierende Zeit." Nachdem die Pfarrerin im September 2025 in den Schuldienst gewechselt war, übernahm ihr Nachfolger Pfarrer Thomas Berthold die restliche Baubegleitung.

Stuhlpatenschaften möglich

Noch steht das alte, dunkle Holzkreuz im Kirchenraum. Wenn es nach dem Willen des Kunstbeauftragten der Landeskirche geht, soll es durch ein modernes Kreuz ersetzt werden, das stärkeren Bezug auf den Erlösergedanken der Kirche nimmt. Eine Münchner Künstlerin werde bis Oktober einen Vorschlag dafür erarbeiten, sagt Pfarrer Kraft. Doch die Kirchengemeinde sei noch unentschieden. Viele Gemeindemitglieder hingen an ihrem alten Kreuz.

Auch ein mobiler Taufstein und ein großer Kerzenständer soll der Kirchenraum noch bekommen. Die 180 neuen Stühle sind dagegen schon aufgestellt. Denn Bänke hat die Kirche keine mehr. Vier Dutzend Stuhlpaten haben sich bereits gefunden. Aber da sei noch Luft nach oben, sagt Kraft.