Bertram Meier ist zum Vorsitzenden der neuerrichteten Kommission "Ökumene und interreligiöser Dialog" der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt worden. Die Wahl sei eine große Ehre, sagte Meier in Fulda, wo die DBK-Herbstvollversammlung stattfindet. Die Ökumene und der interreligiöse Dialog blieben ein wichtiger Auftrag und seien für ihn "nicht weniger als eine Herzensangelegenheit", sagte Meier, der seit 2020 Bischof von Augsburg ist. Das Thema "Ökumene" zieht sich wie ein roter Faden durch Meiers private und berufliche Biografie.

Meier wurde 1960 in Buchloe (Ostallgäu) geboren und 1985 nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Augsburg und Rom zum Priester geweiht. Nach einer Ausbildung an der Päpstlichen Akademie für den diplomatischen Dienst des Vatikan in Rom leitete er zwischen 1996 und 2002 die deutschsprachige Abteilung des Vatikanischen Staatsekretariats.

Als Domkapitular in Augsburg war Meier unter anderem für Ökumene und interreligiösen Dialog zuständig. Ab 2012 war er dort stellvertretender Generalvikar und Domdekan. 2021 wurde er zum Vorsitzenden der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ernannt. Seit 2023 ist er Mitglied des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen durch Papst Franziskus. Jahrelang war Meier auch in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) aktiv: von 2002 bis 2011 als Vorsitzender in Augsburg und von 2013 bis 2021 als Vorsitzender in Bayern.

Ökumene mit der Muttermilch aufgesogen

In einem Interview sagte Meier einmal, dass er die Ökumene "mit der Muttermilch" aufgesogen habe, sie sei ein Herzensanliegen für ihn. Sein Vater sei ein sehr engagierter evangelischer Christ gewesen, die Mutter katholisch. Ökumene habe er also von Kindesbeinen an erlebt, sie sei ihm in die Wiege gelegt worden. Auch dem evangelischen Augsburg mit seiner weitreichenden Reformationsgeschichte fühlt er sich eng verbunden: Die Jubiläumsfeierlichkeiten zu 500 Jahre "Confessio Augustana" im Jahr 2030 sollen "ökumenisch und geschwisterlich" geprägt sein.

Auch nach seiner Wahl am Dienstag zum Vorsitzenden der DBK-Kommission "Ökumene und interreligiöser Dialog" betonte er die Bedeutung der "Confessio Augustana". Es gelte, die Gemeinsamkeiten der christlichen Konfessionen und nicht das Trennende wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. "Die Erinnerung an diesen Jahrestag kann die historische Perspektive schärfen und ist ein zentraler Meilenstein angesichts der ökumenischen Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen."

Die "Confessio Augustana" markiert einen Meilenstein der Reformationsgeschichte: Sie wurde 1530 auf dem Augsburger Reichstag vom Reformator Philipp Melanchthon an Kaiser Karl V. übergeben. Das "Augsburger Bekenntnis" war die Grundlage für die damaligen Religionsgespräche und für den Augsburger Religionsfrieden von 1555, der das friedliche Miteinander von lutherischen und katholischen Christinnen und Christen rechtlich absicherte.

Beim Lesen der Missbrauchsstudie packte Bischof Meier das Entsetzen

Neben der Ökumene ist ihm auch die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs in seinem Bistum ein Anliegen. Bei der Lektüre der im Herbst 2025 veröffentlichten "Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg" habe ihn das Entsetzen gepackt. Er habe die 206 Seiten starke Studie immer wieder aus der Hand legen müssen. Sein Bistum habe schwere Schuld auf sich geladen. Viel zu oft sei mit den Vorfällen völlig unangemessen umgegangen worden. Bischof Meier selbst wurde kein Versagen zur Last gelegt. Seit seinem Amtsantritt sei kein unangemessenes Verhalten von Verantwortungsträgern bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch festgestellt worden.

Auch bei kirchlich-gesellschaftlichen Fragen hat Meier eine klare Haltung: Die Stellung der Frau in kirchlichen Führungsämtern will Meier stärken, wie er zu seinem Amtsantritt in Augsburg 2020 betonte. Er wolle Frauen nach vorne bringen. Sie könnten vieles in der Kirche bewegen. Für Frauen in Weiheämtern hingegen sieht Meier keinen Spielraum. Offener zeigte er sich zuletzt beim Zölibat, den er nicht als Dogma ansieht. Auch für die Segnung homosexueller Paare zeigte er sich offen. "Ich lehne niemals einen Segen ab für Menschen, die zu mir kommen, um sich segnen zu lassen", sagte er in der "Münchner Runde" im Bayerischen Fernsehen.

Betende Kirche ist die Zukunft

Die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland sieht Bertram Meier im Gebet. "Viele machen sich Gedanken darüber, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll", sagte der Bischof vor rund einem Jahr. "Frauenfreundlich, demokratisch, synodal, partizipatorisch - so lauten Begriffe, die im Umlauf sind. Ich persönlich wage die Behauptung: Die Kirche der Zukunft wird wieder mehr eine betende sein."