Es gibt Vorurteile, die halten sich hartnäckig. Eines davon lautet: Wer Hafer- statt Kuhmilch trinkt, meditiert morgens mit Klangschale, liest nachmittags Rudolf Steiner und verabschiedet sich abends mit einem Namaste in den Sonnenuntergang.

Nun tritt eine neue Auswertung der vegan.eu-Umfrage an, um genau dieses Bild zu zerlegen. Über 2.100 vegan lebende Menschen haben mitgemacht – rekrutiert über Facebook, Reddit, vegane Newsletter und die Datingplattform Gleichklang (interessante Namenswahl, aber nun gut). Repräsentativ ist das ausdrücklich nicht. 

Viele Veganer:innen sehen Religion und Spiritualität kritisch

Der Befund wird trotzdem verkündet: Die meisten Befragten stehen Religion offenbar eher kritisch gegenüber. Auch Spiritualität finden sie nicht übermäßig gut. Buddhismus liegt zwar, wie es am ehesten dem Klischee entspricht, unter den Religionen vorne – allerdings mit Werten, bei denen selbst ein sehr besorgter Pfarrer nicht in Panik geraten müsste. Deutlich häufiger bekennen sich die Teilnehmenden dafür zu Atheismus oder Agnostizismus.

Soweit, so gut. Doch dann übernimmt die Pressemitteilung und kämpft tapfer gegen das Hirngespinst von der esoterischen Gemüsefraktion, rechnet Prozentpunkte hinter dem Komma aus und erklärt mehrfach, dass politische Zusammenhänge zwar statistisch signifikant, aber schwach seien. Das liest sich ungefähr so: Es gibt einen Effekt. Er ist klein. Wirklich klein. Haben wir schon erwähnt, wie klein er ist?

Manchmal wirkt es, als wolle die Mitteilung jedes noch so veraltete und längst widerlegte Klischee erst hervorholen und dann nochmal widerlegen. Nein, vegan leben heißt nicht automatisch Räucherstäbchen und Esoterik. Was für eine Erkenntnis!

Ernährung ist keine Weltanschauung

Für kirchliche Leser steckt darin eine Pointe. Während viele Gemeinden darüber nachdenken, wie sie Menschen überhaupt noch für Glauben interessieren können, zeigt diese Studie vor allem eines: Vegane Ernährung ersetzt keine Religion. Und selbst der perfekte Linseneintopf erlöst niemanden von den großen Fragen nach Sinn, Hoffnung oder Vergebung.

Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht: Nicht jede Ernährungsform braucht gleich eine Weltanschauung als Beilage.