Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) der bayerischen evangelischen Landeskirche sieht die aktuellen Arbeitsmarktreformen kritisch. Ein Dorn im Auge ist dem kda die geplante Neuregelung für befristete Arbeitsverträge.

Künftig können befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund sechsmal verlängert werden. "Befristungen ohne Sachgrund werden in manchen Betrieben, die wir als kirchliche Arbeitsseelsorge kennenlernen, wie eine verlängerte Probezeit genutzt", sagte der Leiter des kda Bayern, Peter Lysy, am Montag laut Mitteilung. Dies mindere die Zukunftsaussichten der jungen Generation.

Mindestens jede vierte Neuanstellung befristet

Laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) war im Jahr 2025 jede vierte Neueinstellung (26 Prozent) befristet. Bei jungen Beschäftigten unter 25 Jahren betraf es demnach sogar mehr als jede dritte Neueinstellung (37 Prozent). 

Laut einer Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind sogar knapp 38 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland befristet. Gewerkschaften üben seit Jahren scharfe Kritik an Befristungen. 

Solche Befristungen sind bisher gesetzlich auf drei Verlängerungen und maximal zwei Jahre begrenzt. Das gebe den Betrieben schon heute jede Menge Flexibilität, teilte der kda Bayern mit. Nun aber könnten die Befristungsketten ohne besonderen Grund doppelt so lang werden. Möglich seien dann insgesamt vier Jahre Befristung, zum Beispiel sechs mal acht Monate. Dies werde zu Frust bei Berufseinsteigern führen.

Befristungsketten führen zu unsicherer Lebensplanung

Mit befristeten Arbeitsverträgen falle es schwer, eine Familie zu gründen, einen Kredit aufzunehmen oder auch nur im angespannten Wohnungsmarkt einen Mietvertrag zu bekommen, sagte Lysy.

Für eine menschendienliche und familienfreundliche Arbeitswelt brauche es ein Mindestmaß an Verlässlichkeit auch seitens der Unternehmen, sagte der evangelische Pfarrer.

(om/epd)