Hersbruck (epd). Geschockt und mit großem Unverständnis hat der Verein "Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck" auf die versuchte Brandstiftung an einem Kubus des Erinnerungsortes reagiert. "Was haben die Leute für ein Problem? Es ist doch so lange her, wir alle heute können nichts für die Verbrechen von damals", sagte Klaus Wiedemann, der erste Vorsitzende des Vereins, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. Er könne nicht verstehen, wie eine Gedenkstätte solche Reaktionen hervorrufen könne. "Wir müssen dafür sorgen, dass Rechtsextreme in der Politik nicht noch mehr Stimmen bekommen."

Laut Mitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken vom Dienstag wurden an der KZ-Gedenkstätte in Hersbruck Anfang der Woche unter anderem Rußspuren sowie im Umfeld Graffiti mit NS-Bezug festgestellt. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt aktuell wegen einer möglichen versuchten Brandstiftung. Da diese glücklicherweise nicht gelang, beschränkt sich der Sachschaden auf rund 800 Euro.

Häufige rechtstextreme Schmierereien in der Stadt

Bereits im Vorjahr habe es in dem schwarzen Kubus, der Einblick in die Biografien von 90 Häftlingen des ehemaligen KZs gibt, Vandalismus gegeben. Ein Rechner und ein Beamer wurden dabei gestohlen, seitdem sei der Kubus geschlossen. "Ansonsten hatten wir in den letzten Jahren aber keine Vorfälle, was uns selbst gewundert hat", erzählt Wiedemann. Im Hersbrucker Stadtgebiet tauchten immer wieder Symbole mit NS-Bezug oder Codes aus der rechtsextremen Szene auf. Er selbst und andere Vereinsmitglieder seien jedoch glücklicherweise nicht von Drohungen oder Hassnachrichten betroffen.

Dass der mögliche Brandanschlag aufgeklärt wird, darauf hat Wiedemann wenig Hoffnung. Er wünscht sich allerdings in dieser Situation Unterstützung durch die Kommunalpolitik. Am Freitag veranstaltet das Bündnis "Hersbruck ist bunt" um 19 Uhr eine Solidaritätskundgebung am Oberen Markt, zu der auch Bürgermeister Robert Ilg (Freie Wähler) eingeladen sei. "Wir wissen aber noch nicht, ob er kommt."

Ehemaliges KZ-Gelände komplett überbaut

Das ehemalige KZ-Lagergelände in Hersbruck ist heute vollständig überbaut, größtenteils mit einer Wohnsiedlung. Im benachbarten Happurg begannen im Mai 1944 die Arbeiten an einer unterirdischen Fabrik für BMW-Flugzeugmotoren. Ehemalige Verbrennungsstätten mit Mahnmalen liegen in der näheren Umgebung. Im Januar 2016 wurden zusammen mit der Gedenkstätte Flossenbürg die Dokumentationsorte Hersbruck und Happurg eröffnet.