Jean-Remy von Matt ist kein Mann der leisen Töne. Auch in seinem Buch "Am Ende" spricht er mit jener pointierten Klarheit, die ihn zu einem der einflussreichsten Werber Deutschlands gemacht hat. Er berichtet von der Entstehung der legendären Sixt-Kampagne, die auch mal Angela Merkel mit abstehendem, zerzaustem Haar als Motiv hatte. Er erzählt, was ein Kreativer braucht, um richtig gut zu sein und über die vielen Hürden auf Kundenseite. Der Spruch: "Klar, können wir so machen, aber dann wird es halt sch..ße." hätte von ihm sein können.
Dabei schreibt von Matt keine trockene Autobiografie, sondern ein erzählerisches Kaleidoskop aus Anekdoten, pointierten Beobachtungen und kurzen Essays. Der Werber erzählt von der Geburt der "Geiz ist geil"-Kampagne für das Unternehmen Saturn ebenso wie von den stilleren Momenten hinter den Kulissen, von Erfolgen und Fehlgriffen, von Ideen, die die Republik spalteten – und von solchen, die nie das Licht der Welt erblickten. Dabei blitzt immer wieder der unstillbare Hunger nach dem Besonderen auf, nach der Idee, die zündet, nach dem Satz, der bleibt und Pop-Kultur wird.
Stilistisch ist das Buch so geschliffen wie eine gute Headline. Von Matt liebt das zugespitzte Wort, den eleganten Dreh. Doch hinter der Ironie steht stets auch Nachdenklichkeit: über Kreativität, Verantwortung und das Altern in einer Branche, die das Neue vergöttert.
Der Mann hinter den kreativen Ideen
Jean-Remy von Matt wurde 1952 in Brüssel geboren, studierte Germanistik und begann seine Karriere als Texter. Gemeinsam mit Holger Jung gründete er 1991 die Agentur Jung von Matt, die bald zu einer Institution der Werbewelt wurde. Unter seiner Führung entstanden Kampagnen, die längst Teil des kollektiven Gedächtnisses sind – von Mercedes Benz bis beispielsweise zu Edeka mit dem Claim "Wir lieben Lebensmittel". Von Matt erhielt zahllose Auszeichnungen und wurde 2022 in die "Hall of Fame der deutschen Werbung" aufgenommen. Doch das Beeindruckendste bleibt sein Einfluss auf die Popkultur.
Sein Buch "Am Ende" ist kein Schwanengesang, sondern ein Manifest. Zwischen Pointen und persönlichen Bekenntnissen steckt eine Fülle an Tipps, Denkanstößen und kleinen Lebensweisheiten für alle, die etwas erschaffen wollen – ob in Werbung, Kunst oder einfach im Alltag. Von Matt zeigt, dass Kreativität ein Muskel ist, der wächst, wenn man ihn fordert. So wird "Am Ende" zu einem Buch, das Mut macht und beweist, dass jedes Ende auch ein Anfang ist.
Jean-Remy von Matt (2025): Am Ende, Econ Verlag, Berlin, 240 Seiten, 25 Euro.