Hersbruck (epd). Nach der versuchten Brandstiftung an einem Kubus der KZ-Gedenkstätte in Hersbruck Mitte Juni hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Einem 27-jährigen Deutschen konnten die versuchte Brandlegung sowie Graffiti mit NS-Bezug im Umfeld der Gedenkstätte und weitere Graffiti im Stadtgebiet Hersbruck nachgewiesen werden, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken am Dienstag mit. Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe er die Taten in einer einzigen Nacht zwischen dem 12. und dem 15. Juni begangen.

Aktuell sei davon auszugehen, dass sich der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe, hieß es weiter. Er sei derzeit auf eigene Veranlassung in einer Fachklinik. Hinweise auf weitere Tatverdächtige gebe es nicht. Das mit den Ermittlungen betraute Staatsschutzkommissariat der Schwabacher Kriminalpolizei werde den Vorgang nach Abschluss der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth abgeben.

200 Menschen nahmen an Solidaritätskundgebung teil

Am vergangenen Freitag nahmen etwa 200 Menschen an einer Solidaritätskundgebung des Bündnisses "Hersbruck ist bunt" anlässlich des versuchten Brandanschlages teil. Bereits im Vorjahr hatte es nach Angaben des Vereins "Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck" in dem schwarzen Kubus, der Einblick in die Biografien von 90 Häftlingen des ehemaligen KZs gibt, Vandalismus gegeben. Ein Rechner und ein Beamer wurden dabei gestohlen, seitdem sei der Kubus geschlossen.

Das ehemalige KZ-Lagergelände in Hersbruck ist heute vollständig überbaut, größtenteils mit einer Wohnsiedlung. Im benachbarten Happurg begannen im Mai 1944 die Arbeiten an einer unterirdischen Fabrik für BMW-Flugzeugmotoren. Ehemalige Verbrennungsstätten mit Mahnmalen liegen in der näheren Umgebung. Im Januar 2016 wurden zusammen mit der Gedenkstätte Flossenbürg die Dokumentationsorte Hersbruck und Happurg eröffnet.