München, Brno (epd). Die Fraktionen von CSU und SPD im bayerischen Landtag haben sich zum Sudetendeutschen Tag im tschechischen Brno (Brünn) mit Dringlichkeitsanträgen bekannt. Die Veranstaltung von 22. bis 25. Mai sei "ein Ereignis von herausragender historischer Bedeutung", teilte die CSU-Fraktion am Donnerstag in München mit. Dieses "Zeichen der Verständigung" dürfe nicht von politischen Brandstiftern zerstört werden. Es gehe um Versöhnung, um die Würde der Erinnerung und um die Zukunft der bayerisch-tschechischen Partnerschaft. Zu dem Treffen wird auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erwartet.
Der Sudetendeutsche Tag findet heuer erstmals in Tschechien statt, nachdem das lokale Festival "Meeting Brno" die Einladung an die Sudetendeutschen ausgesprochen hatte. Tschechische Politiker vor allem rechter Regierungsparteien hatten sich in den vergangenen Tagen gegen das Treffen, das unter dem Motto "Alles Leben ist Begegnung" steht, positioniert. In einer Resolution des Parlaments wird die Veranstaltung in Brünn abgelehnt. Zudem gab es Proteste dagegen.
Holetschek: "Einer der hoffnungsvollsten Momente"
Landtags-Vizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) nannte den 76. Sudetendeutschen Tag einen wichtigen Schritt, um Frieden, Erinnerung und Aussöhnung zu stärken: "Wir bekennen uns ausdrücklich zur schweren historischen Schuld Deutschlands - die Erinnerung an deutsche Verbrechen ist unverzichtbare Grundlage jeder glaubwürdigen Aussöhnungspolitik." Ein solches Bekenntnis des Landtags mahnt die SPD-Fraktion in ihrem Antrag an. Zudem solle der Landtag den Aussöhnungsprozess mit Tschechien würdigen, wozu auch eine Anerkennung des Leids und der Integrationsleistung der Heimatvertriebenen gehöre.
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek sagte, wer Brünn infrage stelle, "greift einen der hoffnungsvollsten Momente der deutsch-tschechischen Verständigung seit Jahrzehnten an". Radikale Kräfte im tschechischen Abgeordnetenhaus wollten den Versöhnungsprozess verhindern, während die tschechische Zivilgesellschaft den Sudetendeutschen die Hand reiche.
Mehr als drei Millionen Sudetendeutsche wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Viele Flüchtlinge fanden vor allem in Bayern eine neue Heimat. Der Sudetendeutsche Tag fand zuvor meist in Städten Bayerns statt.