Eichstätt (epd). Frühzeitige Diagnostik, niedrigschwellige Unterstützungsangebote und evidenzbasierte Psychotherapie können nach Erkenntnissen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) die psychische Gesundheit junger Geflüchteter deutlich verbessern. Viele der 40.000 unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die im Jahr 2024 in Deutschland erfasst waren, hätten schwere Gewalt, Krieg und Verfolgung erlebt, teilte die KU am Montag mit. Um sich gesund zu entwickeln und erfolgreich zu integrieren, sei es entscheidend, dass sie ihre Erlebnisse verarbeiten könnten, sagte Rita Rosner, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie an der KU.
Im Forschungsprojekt "BetterCare" der KU erhielten die jungen Geflüchteten nach einer Eingangsdiagnostik eine individuelle Behandlungsempfehlung. Für Jugendliche mit milden bis moderaten Symptomen wurde das traumapädagogische Gruppenprogramm "Mein Weg" angeboten, bei dem Sitzungen direkt in den Wohneinrichtungen von Fachkräften der Jugendhilfe angeleitet wurden. Jugendliche mit klinisch auffälligen Symptomen erhielten eine traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie.
Ansatz sollte zur Routineversorgung werden
Nach zwölf Monaten zeigte sich bei den Jugendlichen im "BetterCare"-Modell eine signifikant stärkere Verbesserung der posttraumatischen Belastungssymptome als bei Jugendlichen in einer Kontrollgruppe, die die aktuelle Regelversorgung erhielten, hieß es weiter. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachjournal "The Lancet Global Health" erschienen. "Wir wünschen uns, dass unser wirksamer Ansatz zur Routineversorgung wird und in der Breite verankert werden kann", sagte Rosner.
"BetterCare" wurde vom Bundesbildungsministerium mit rund drei Millionen Euro gefördert. Partner waren neben der KU die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Ulm, die Günzburger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie das Deutsche Jugendinstitut München.