Würzburg (epd). Die Bayreuther Regionalbischöfin Berthild Sachs hat an die Kraft des Guten aus christlicher Perspektive erinnert. "Wo Menschen den Mut haben, auf Rache zu verzichten und eben nicht Böses mit Bösem zu vergelten, da ist das keine Kapitulation vor der Macht des Bösen", sagte Sachs laut Predigtmanuskript am Sonntag in der St. Johanniskirche beim Festgottesdienst zum Würzburger Mozartfest. Der Verzicht auf Rache sei "Verweis und Vertrauen" auf eine umso größere Macht des Guten, "auf Gottes Gerechtigkeit".
Zahlreiche biblische Geschichten erzählten durch beide Testamente hindurch "von diesem Gott, der den Menschen trotz ihrer Bosheit einen Neuanfang ermöglicht", sagte Sachs. Zuletzt sei es dieser Gott selbst, "der sich in Christus in die Hände des Bösen gibt, um die Logik des Bösen zu entlarven und durch Liebe zu durchkreuzen". Für Paulus folge daraus eine "unfassbare Freiheit im Umgang mit dem Bösen", nämlich den Verzicht auf Rache, erläuterte die Theologin. Denn: "Rache bedeutet, das Böse hat gewonnen."
Die Logik der Rache führt in die Eskalation
"In unserer Welt erleben wir in Echtzeit, wie solche Logiken von Rache und Vergeltung, von Stolz und Stärke, von Sicherheit und Selbstbehauptung in die Eskalation führen", erläuterte Sachs. Dabei blieben "Friedenswille, Vernunft und Humanität" auf der Strecke, aktuell zu beobachten "in der Ukraine, im Libanon, in Moskau und Washington, Teheran und Tel Aviv". Das Böse maße sich in der Rache Gerechtigkeit an und schreie dabei nach Genugtuung: "Auge um Auge, Zahn um Zahn, Schlag und Gegenschlag, Zölle und Gegenzölle."