Schongau (epd). Nach der Messerattacke an einer Schule in Schongau am Mittwoch geht die seelsorgerliche Versorgung vor Ort weiter. Dirk Wollenweber, Notfallseelsorger im Dekanat Weilheim, war kurz nach der Tat vor Ort, erzählte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag. Er sei über seinen Funkmeldeempfänger von der integrierten Rettungsleitstelle informiert worden. "Als ich 'Amoklage in der Schule in Schongau' gelesen hatte, hat das erst mal ein paar Sekunden gedauert, bis das in meinem Kopf angekommen ist."

Auch wenn er sich immer wieder auf solche Situationen vorbereite, habe er zunächst nicht realisiert, "dass das wirklich passiert", sagte der Pfarrer. "Und dann fährt man einfach los." Die besondere Herausforderung sei für ihn die Größe des Einsatzortes gewesen - ein Schulzentrum mit rund 800 Schülerinnen und Schülern und vielen Lehrkräften. "Ich glaube, dass es sich bei vielen erst jetzt so langsam setzt, was da gestern eigentlich passiert ist."

Zwei Mädchen mit Messer verletzt

Am Mittwochmittag sind am Welfen-Gymnasium in Schongau zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer schwer verletzt worden. Die Polizei nahm daraufhin einen 16-jährigen Tatverdächtigen fest. Sie gehe derzeit davon aus, dass die Mädchen Zufallsopfer wurden. Nach aktuellen Informationen trug der Tatverdächtige ein Messer und eine Schusswaffe bei sich.

Im Rahmen der psychosozialen Akuthilfe waren laut Wollenweber mehrere Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen vor Ort, auch von der Krisenintervention im Landkreis. Für diese gute Zusammenarbeit sei er dankbar. Schnell sei klar gewesen, dass es eine Sammelstelle im Feuerwehrgerätehaus gibt. Dort habe er für Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern bereit gestanden. "Natürlich ist nicht jeder gleich schwer betroffen von der Situation", sagte der Notfallseelsorger. Der potenzielle Kreis von Menschen, die in dieser Ausnahmesituation Unterstützung brauchen, sei aber groß: "Schule ist ein geschützter Raum - und auf einmal ist der nicht mehr sicher."

Kirche geöffnet für Gespräche und Gebete

Wollenwebers Arbeit vor Ort sei nun beendet, Schulpsychologen und die Notfall- und Krisenseelsorge an Schulen habe am späten Mittwochnachmittag übernommen. "Die sind heute in den Schulen und werden die Menschen weiter begleiten." Trotzdem gebe es auch Angebote der Kirchen für alle Menschen, die seelische Unterstützung suchen. "Die Kirche in Schongau ist geöffnet, auch ein Seelsorgeangebot gibt es dort oder die Möglichkeit, in Stille ein Licht anzuzünden oder ein Gebet zu sprechen."

Für Wollenweber ist es mit der akuten seelsorgerlichen Hilfe aber nicht getan. "Nach diesem Schrecken ist es die Frage, wie man das in sein Leben integrieren kann als Teil der eigenen Biografie." Ihm sei es wichtig, dass alle, die den Angriff erlebt haben, gut damit umgehen können. "Und es kann an vielen Stellen auch helfen, Danke zu sagen, dass mir nichts passiert ist und für diejenigen zu beten, die verletzt wurden." Kirchen seien die Orte, an denen das ausgesprochen werden kann, so der Pfarrer.