Nürnberg (epd). Täglich schalten 2,4 Millionen Menschen in Bayern mindestens ein lokales Radioprogramm ein. Laut der Funkanalyse Bayern hören jeden Tag insgesamt 76,7 Prozent der Menschen Radio - damit liegt das Reichweitenniveau nahezu auf dem Vorjahreslevel. Die Zahlen wurden am Mittwoch bei der Eröffnung der Lokalmedientage in Nürnberg vorgestellt. Die Lokalprogramme und die landesweiten privaten Hörfunkangebote erzielen in der Altersgruppe der 14- bis 59-Jährigen zusammen 45,3 Prozent Marktanteil und liegen damit vor dem Bayerischen Rundfunk mit 32,2 Prozent.
Auch das lokale Fernsehen sei für viele Menschen weiterhin ein relevanter Zugang zu Informationen. Durchschnittlich 620.000 Personen oder 5,6 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren in Bayern sehen montags bis freitags Lokal-TV (Vorjahr: 5,9 Prozent). Dieses punktet der Analyse zufolge bei seinem Publikum vor allem mit Informationen aus der Region, gefolgt von Informationen aus Bayern sowie Themen rund um Heimatgeschichte, Brauchtum und Tradition.
Schmiege: Lokaljournalismus kein "Nice-to-have"
"Lokale Medien schaffen Öffentlichkeit dort, wo Demokratie beginnt, in den Städten, Gemeinden und Regionen", sagte Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Schmiege mahnte in seiner Eröffnungsrede Zusammenhalt in turbulenten Zeiten an. Lokaljournalismus sei dabei kein "Nice-to-have". "Er schafft Orientierung. Er unterstützt Meinungsbildung. Er macht Missstände sichtbar. Kurz: Lokaljournalismus ist demokratische Infrastruktur."
Der BLM-Präsident sprach sich für das Nutzen von KI als Werkzeug aus. "Aber KI ist kein Ersatz für journalistische Verantwortung", betonte er. "Für mich ist klar: Die Zukunft gehört denen, die in Kreativität, in neue Geschäftsmodelle investieren." Der rote Faden der Lokalmedientage sei, nicht bequem zu werden und nicht zu warten, bis andere entschieden, sondern zu gestalten, sagte Schmiege.
Medienpreise für Beiträge über Wiesn-Sperrung und Integration
Auf den Lokalmedientagen werden jährlich auch die BLM-Medienpreise verliehen. Ausgezeichnet wurden unter anderem Radio Arabella in München für die aktuelle Berichterstattung zur Sperrung des Oktoberfests im vergangenen Jahr und Felix Meindorfer von Radio Gong 96.3 für seine "authentische und moderne Moderation". Fernsehpreise gingen beispielsweise an Regio TV in Ulm für den Interview-Beitrag "Rudi, eine positive Geschichte aus dem Bereich Integration" und TVA Ostbayern in Regensburg für die Sondersendung "Die Kruckenbergerin - Irmgard Riedl und ihr bewegtes Leben". Der Radio Galaxy Award 2026 ging an die 23-jährige Künstlerin LOI.
Zu dem Branchentreffen in der Nürnberger Messe werden am Mittwoch und Donnerstag rund 800 Teilnehmende und 90 Speaker erwartet. Die Lokalmedientage gehen aus den Lokalrundfunktagen hervor, die seit mehr als 30 Jahren eine Vernetzungsplattform für Medienschaffende aus Radio und Fernsehen bilden. Man reagiere damit laut eigenen Angaben auf die Transformation in der Radio- und TV-Landschaft, die sich längst über das klassische "On Air"-Signal hinaus definiere.