München (epd). Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, rechnet für das kommende Schuljahr 2026/27 vor allem an den Mittelschulen mit massiven Unterrichtsausfällen. Obwohl die Schülerzahl an Mittelschulen um 4.700 zunehme, würden keine zusätzlichen Lehrkräfte eingestellt, sagte Fleischmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dort fehlten ab September 500 Vollzeit-Lehrkräfte. Die Folgen: größere Klassen, Unterrichtsausfälle und weniger Bildungsqualität.

Dass der Lehrkräftemangel jetzt an der Mittelschule so deutlich durchschlage, liege auch an der fehlenden Lobby für diese Schulart in der Gesellschaft. "Wenn an den Mittelschulen 500 Lehrkräfte fehlen, fallen nicht nur Zusatzangebote weg, sondern auch Pflichtunterricht", erläuterte die BLLV-Präsidentin. Und das, obwohl die Situation an Mittelschulen schon jetzt bedenklich sei: "Ein Viertel der Kinder verlässt die Grundschulen aktuell ohne die Mindestkompetenzen." Unterbesetzte Mittelschulen können diese Defizite nicht auffangen.

Nur 18 Prozent der Lehrkräfte erreichen regulär die Pension

Letztlich habe die Unterversorgung mit Lehrkräften auch Auswirkungen auf deren Gesundheit, betonte Fleischmann. "Das System fährt auf Verschleiß: Nur noch 18 Prozent der Lehrkräfte erreichen regulär die Pension." Und die Zahl derer, die wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig ausscheiden müssen, hat sich in den Grund- und Mittelschulen innerhalb von fünf Jahren von 15 auf über 30 Prozent verdoppelt. Das schrecke junge Menschen, die Lehrerin oder Lehrer werden wollten, zunehmend ab, erläuterte Fleischmann.

Von der Landespolitik fordert die BLLV-Präsidentin zum einen mehr Wertschätzung für den Lehrerberuf, zum anderen müsse nun endlich die Ausbildung reformiert werden. Eine Expertenkommission habe ganz konkrete Vorschläge gemacht, die Unis würden ihr Lehramtsstudium gerne reformieren, erläuterte Fleischmann: "Wir hoffen sehr darauf, dass Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler), die für die zweite Phase zuständig ist, sich mit Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) einig wird."