Rummelsberg (epd). Mit deutlicher Selbstkritik hat der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp auf die Rolle von Kirche und Diakonie in der Zeit des Nationalsozialismus geblickt. "Diakonie war nicht nur Helferin. Sie war auch Teil eines Systems, das Menschen ausgegrenzt, entrechtet, vernichtet, getötet hat", sagte er laut Predigtmanuskript am Freitag bei der Eröffnung der Ausstellung "Eiskalt sind die! Diakonie und Nationalsozialismus in Bayern" in Rummelsberg. Die Kirche müsse vor der eigenen Haustür kehren und den Blick auf die Geschichte der eigenen Institutionen richten.

Die Ausstellung im Diakoniemuseum Rummelsberg zeigt anhand von Originaldokumenten, Biografien, Graphic Novels und Medienstationen, wie diakonische Einrichtungen zwischen Begeisterung, Anpassung und Mitläuferschaft für den Nationalsozialismus schwankten. Ein besonderer Fokus liegt auf der "Aktion T4", der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Grundlage der Schau ist ein wissenschaftlicher Begleitband, in dem die Ergebnisse jahrelanger Forschung von 23 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und den Niederlanden gesammelt wurden.

Erinnerung als Form von Wachsamkeit

Der Titel der Ausstellung führe genau hinein in den zentralen Punkt, sagte Kopp. "Die Täter waren nie einfach 'die anderen'. Nicht einfach fern. Nicht einfach fremd. Sie waren Teil unserer Gesellschaft. Teil unserer Einrichtungen." Die Fähigkeit zum Bösen liege in menschlichen Strukturen, Denkweisen und in bereits bekannten Dynamiken. "Deshalb braucht es Ausstellungen wie diese hier in Rummelsberg." Erinnerung sei grundlegend dafür, "dass wir uns vor einer Zukunft schützen, in der Menschen zu Tätern werden".

Die Ausstellung sei auch Ausrufezeichen für die Gegenwart, stellte der Landesbischof fest. "Wir erleben heute, wie Menschen und Menschengruppen abgewertet werden. Wie einfache Feindbilder entstehen." Sprache verschiebe sich, aus einzelnen Menschen würden Gruppen und aus diesen würden Gegner. Erinnerung sei auch eine Form von Wachsamkeit für heute und morgen. Die Ausstellung und der dazugehörige Forschungsband leisteten dazu einen wichtigen Beitrag, betonte Kopp.