München, Wiesloch (epd). Die BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro im Monat deckt die Kosten für die Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung lediglich im sächsischen Chemnitz. Das geht aus dem Studentenwohnreport 2026 hervor, den der Finanzdienstleister MLP SE gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Mittwoch veröffentlicht hat. Untersucht wurde die Preisentwicklung bei kleinen Wohnungen, WG-Zimmern und möblierten Wohnungen auf Zeit an 38 Hochschulstandorten in Deutschland. Der teuerste der untersuchten Standorte ist München.

Trotz einem zuletzt geringeren Preisdruck steigen laut dem zum achten Mal vorgelegten Report die Mieten für studentisches Wohnen ausgehend von einem hohen Niveau weiter. Die qualitätsbereinigten Mieten lagen danach im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. "Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare, kleine Wohnungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp," sagte der Immobilienökonom am Institut für Deutsche Wirtschaft in Köln, Michael Voigtländer.

Wohnen für Studierende in München am teuersten

Der Wohnungsbau sei in ganz Deutschland rückläufig. Grund seien steigende Bau- und Finanzierungskosten beim Neubau. "Zusätzliche Regulierung sollte deshalb sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob sie Investitionen und Vermietung ungewollt weiter erschwert," sagte Voigtländer.

Anhand einer studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern sowie einem hypothetischen WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern verdeutlicht der Report, wie regional unterschiedlich die Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten ausfallen: Am teuersten ist die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro Warmmiete, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten ist Chemnitz mit rund 280 Euro.

Auch beim Muster-WG-Zimmer reicht die Spanne von rund 850 Euro in München bis rund 220 Euro in Chemnitz. Studierende mit eigener Haushaltsführung gaben 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus, mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. Günstigen Wohnraum für Studierende gebe es immerhin in Saarbrücken, dem Ruhrgebiet und Ostdeutschland, sagte Voigtländer.

Wahl des Studienorts darf nicht von Mietpreisen abhängig sein

Neben kleinen Wohnungen und WG-Zimmern gewinnen möblierte Wohnungen auf Zeit an Bedeutung, insbesondere bei kurzfristigem Wohnbedarf oder für Studierende, die aus dem Ausland neu an einen Hochschulstandort ziehen. "Der Startpunkt in einer anderen Stadt wird schwieriger", lautet das Fazit der Studienautoren und verweisen auf Lenkungsmöglichkeiten durch Studentenwohnheime, von wo aus dann weiter auf dem freien Wohnungsmarkt gesucht werden könne.

Zunehmend wählen Studierende laut dem Report Quartiere im Umland. "Großstädte haben ein Preisniveau erreicht, das schwer zu steigern ist", sagte Voigtländer mit Blick auf den leicht gesunkenen Preisdruck beim studentischen Wohnen. Die "Ausweichbewegungen" ins Umland schätzt der Ökonom jedoch als "kurze Phase" ein.

Mittelfristig erwarte er mehr Studierende gerade an beliebten Hochschulstandorten wie Münster, Hamburg, Berlin oder Leipzig. Bezahlbares Wohnen für Studierende sei für Deutschland ein Standortfaktor, sagte der Vorstandsvorsitzende von MLP, Uwe Schroeder-Wildberg. "Wenn Studierende ihren Studienort zunehmend nach bezahlbarem Wohnraum statt nach den besten fachlichen Perspektiven auswählen müssen, wird das zum Problem für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland", betont er. Hohe Wohnkosten dürften nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstehen.