Nürnberg (epd). Rekordtemperaturen am Wochenende und zehn Hitzetage in Folge: Für obdachlose Menschen in Nürnberg ist die Situation derzeit besonders hart, sagte Manuela Bauer, Leiterin der Ökumenischen Wärmestube in Nürnberg, dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage. "Im Moment haben wir in Nürnberg auch wieder 30 Grad mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, das ist eine extreme Belastung."

Die Wärmestube, die ihren Namen von der normalerweise gefährlichsten Zeit für Obdachlose hat - dem Winter, registriere derzeit einen ungewöhnlich großen Ansturm. "Wir sind randvoll. Der Ansturm ist so groß, als wäre tiefster Winter", sagt Bauer. So seien am Samstag mehr als 130 und am Sonntag mehr als 160 Essen ausgegeben worden. "Üblicherweise würden es im Sommer rund 50 Essen weniger sein." Das Nervenkostüm der Gäste sei aufgrund der hohen Temperaturen und der damit verbundenen Erschöpfung außerdem besonders angespannt.

Hitzeschutzmaßnahmen eingeleitet

Um den bedürftigen Menschen möglichst gut zu helfen, gebe es ein Hitzeschutzkonzept. Dazu gehören eine Vernebelungsanlage im Garten und mobile Kühlgeräte im Innenraum. Trotzdem sei der Gesundheitszustand vieler Menschen äußerst schlecht. "Kreislaufbeschwerden oder Atembeschwerden sind an der Tagesordnung", stellt Bauer fest, weswegen es immer wieder Rettungseinsätze gebe.

Auch mobile Angebote, wie die Bahnhofsläuferinnen der Bahnhofsmission, seien derzeit verstärkt unterwegs und informierten nicht nur obdachlose Menschen, sondern auch Reisende zum Thema Hitze. Bedürftige würden informiert, wo sie Trinkwasserbrunnen finden oder sich an kühlen Orten aufhalten können, wie an U-Bahn-Stationen oder in Kirchen. "Wir nehmen schon wahr, dass es bei der Stadt und der Polizei in Nürnberg aktuell mehr Verständnis gibt", so Bauer. Aber auch dort sinke nach einer länger andauernden Hitzewelle wie jetzt die Akzeptanz für "Dauerlager" an kühlen Orten.

Sachspenden willkommen

Die Wärmestube freue sich aktuell nicht nur über Geldspenden, sondern besonders über Sachspenden wie Duschgel, Sonnencreme oder Wechselkleidung inklusive frische Unterwäsche für die Bedürftigen. Von den Kommunen wünscht sich Bauer bessere Hitzeschutzkonzepte und mehr kühle Orte, die für alle Menschen mit wenig Einkommen geöffnet werden können.