München (epd). Die Vize-Chefin des Bayerischen Hausärzteverbands, Petra Reis-Berkowitz, sieht mit der von der Koalition angedachten Attestpflicht ab dem ersten Tag "eine totale Überlastung" auf Praxen zukommen - insbesondere zu Infektzeiten. Im Interview mit dem Radiosender Bayern-2 des Bayerischen Rundfunks (BR) sagte Reis-Berkowitz am Freitagmorgen: "Das ist an der Realität der Menschen vorbei gedacht, und das ist für mich politischer Aktionismus." Das mit dem Vorschlag verbundene Ziel der Bundesregierung, die Krankenstände zu senken, werde ihrer Meinung nach nicht erreicht.
Wenn Beschäftigte bereits am ersten Tag ihrer Krankheit zum Arzt müssten und die telefonische Krankschreibung wegfalle, dann würden die Hausarztpraxen verstopft, so die stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Verbands. Durch das Mehr an Bürokratie bleibe weniger Zeit für die intensive Betreuung von Patienten. Außerdem sei es laut Reis-Berkowitz nicht wissenschaftlich belegt, dass die Maßnahme zu einem niedrigeren Krankenstand führen würde. Die höhere Zahl an Krankheitstagen erkläre sich ihr zufolge aus der "vollständigen elektronischen Erfassung" und der Zunahme längerer Erkrankungen, vor allem durch psychische Leiden und Beschwerden in körperlich fordernden Berufen.