München (epd). Nach zwölf Jahren ist die Erschließung der Tagebücher des früheren Münchner Kardinals Michael von Faulhaber (1869-1952) abgeschlossen. Die hohe Nachfrage wissenschaftlicher Nutzerinnen und Nutzer habe bereits bei den Teilveröffentlichungen gezeigt, "dass es richtig war, dieses Projekt anzugehen", sagte Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, laut Redemanuskript bei einem Festabend in der Katholischen Akademie Bayern am Montagabend. Durch die Edition und Digitalisierung sei eine wertvolle Möglichkeit entstanden, "heute das Denken und Handeln dieses zweifellos bedeutenden Erzbischofs in bewegter Zeit besser kennen und verstehen zu lernen", so Klingan.
Kardinal Faulhaber war von 1917 bis 1952 Erzbischof von München und Freising. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten nahm er eine ambivalente Haltung zwischen Loyalität zum Staat und Kritik an NS-Verbrechen ein. Seine umfangreichen Tagebücher verfasste der Theologe in einer Sonderform von Stenographie, der Kurzschrift "Gabelsberger", die heute nur noch von wenigen Experten entziffert werden kann.
Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Kooperationspartner der kommentierten Online-Edition waren laut Mitteilung des Ordinariats das Erzbischöfliche Archiv München, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und das Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das Projekt gefördert. Mit Abschluss des Projekts sind den Angaben zufolge die Tagebücher der Jahrgänge 1911-1952 online einsehbar. Vereinzelt fehlende Beiblätter und Kurzbiographien würden im Laufe des Jahres nachgereicht.