München (epd). Um Menschen mit Adipositas helfen zu können, braucht es auch eine bessere Zugänglichkeit zu Hilfsangeboten. "Viele Angebote sind nicht bekannt, obwohl die Menschen ständig nach Hilfe suchen", sagte Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München (TUM), am Donnerstag im Münchner Presseclub. Eine repräsentative Umfrage in Kooperation mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) von 2024 zeige etwa, dass nur ein Viertel der Betroffenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von höher als 30 organisierte Programme nutze.

Es gebe keine medizinische zentrale Anlaufstelle, dafür informierten sich viele über Ratgeber oder im Internet. Dort steckten aber viele Geschäftsinteressen dahinter. "Das ist ein Milliardenmarkt, die Menschen werden von unseriösen Angeboten ausgenommen." Über medizinische Angebote, wie Medikamente, Abnehmspritzen oder chirurgische Eingriffe, werde zu wenig informiert, weswegen viele Betroffene diesen skeptisch gegenüberstünden. Außerdem würden Angebote oft nicht von den Krankenkassen übernommen. Ernährungsberatung sei beispielsweise nur eine freiwillige Kassenleistung. "Deshalb sind staatliche Maßnahmen nötig", sagte Hauner.

Adipositas nicht heilbar, aber behandelbar

Derzeit ist Adipositas laut Katharina Timper, Professorin für Klinische Ernährungsmedizin an der TUM, eine nicht heilbare, tödliche chronische Erkrankung. Um bis zu zehn Jahre könne sich die Lebenserwartung bei Erkrankten verkürzen, je nachdem, welche Folgeerkrankungen hinzukommen. Dazu gehören unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber, Typ-2-Diabetes, Schwangerschaftskomplikationen, Krebserkrankungen und psychische Erkrankungen. Adipositas sei heute aber sehr gut behandelbar. Dafür seien adäquate Versorgungsstrukturen notwendig.

Beim Expertengespräch "Adipositas: Viele Betroffene - kaum Versorgung. Warum die Politik jetzt liefern muss" des EKFZ im Münchner Presseclub am Donnerstag haben Forschende zusammen mit einer Betroffenenvertreterin und einem Kassenvertreter darüber diskutiert, wie die Adipositas-Therapie in Deutschland gestaltet werden könnte.