München (epd). Zum fünften Jahrestag der Ahrtal- und der Königssee-Katastrophe fordert der Bund Naturschutz in Bayern (BN) einen Ausbau des natürlichen Hochwasserschutzes. Der Freistaat habe in den vergangenen Jahrzehnten "immer wieder schmerzhaft erfahren, welche Folgen Starkregen und Hochwasser haben können", teilte BN-Vorsitzender Martin Geilhufe am Freitag in München mit. Mit der Klimakrise steige das Risiko weiterer Extremereignisse. Laut Geilhufe muss Wasser in der Landschaft zurückgehalten werden, wofür es breite Auen brauche.
Vor fünf Jahren wurden das rheinische Ahrtal überflutet (14. Juli) und die Bobbahn am Königsee durch einen Muren-Abgang zerstört (16. Juli). Die Sturzflut in Simbach am Inn (1. Juni) jährte sich bereits zum zehnten Mal. Zudem gab es 1999 in Bayern das "Pfingsthochwasser" und 2024 ein "Jahrhunderthochwasser".
Bayerns Flüsse: 46 Prozent weniger Überschwemmungsfläche
Bayerns größere Flüsse haben bislang durchschnittlich 46 Prozent ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen verloren, wie die Naturschützer dem Auenzustandsbericht des Bundesamtes für Naturschutz entnehmen. Besonders drastisch sei die Situation an der Wertach (minus 95 Prozent), am Lech (minus 89 Prozent) und an der Iller (minus 73 Prozent). Ehemalige Auen seien eingedeicht, landwirtschaftlich genutzt oder bebaut worden. Dadurch fehlten die Flächen, die Hochwasser entschärfen und Wasser für Trockenzeiten speichern könnten.
Bayern sei doppelt gefordert, so der BN: Starkregen und Sturzfluten nehmen zu, während viele Regionen bereits unter sinkendem Grundwasser und längeren Trockenphasen leiden. Wasser dürfe nicht länger über begradigte Bäche und Kanäle abgeleitet werden, sagte Geilhufe. Der BN forderte die Regierung auf, den natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche zum Leitprinzip der Wasserpolitik zu machen. Es müssten mehr Deiche rückverlegt und Gewässer renaturiert sowie Moore wiedervernässt und Berg- und Auwälder erhalten werde.