Schwarzenbruck (epd). Einen differenzierten Umgang mit der AfD hat der Leiter der Rummelsberger Brüderschaft, Peter Barbian, angemahnt. "Es geht nicht darum, Empörung zu organisieren, politische Schlagzeilen zu kommentieren, auch nicht darum, Menschen vorschnell in Schubladen einzuordnen", sagte er am Samstag beim Brüdertag der Rummelberger Brüderschaft in Schwarzenbruck (Landkreis Nürnberger Land). Er stand unter dem Thema "Denn sie wissen, was sie tun".
"Wir wollen verstehen und genauer hinschauen: auf Sprache, auf Argumentationsmuster, auf Strategien, auf die Art und Weise, wie gesellschaftliche Stimmungen entstehen und beeinflusst werden", sagte Barbian vor den rund 180 Teilnehmern. Aktuell fänden einfache Antworten oft besondere Aufmerksamkeit. Laut Barbian gilt es zu unterscheiden zwischen berechtigter Sorge und ihrer politischen Instrumentalisierung, zwischen demokratischer Auseinandersetzung und gezielter Manipulation.
Große Kirchen als "Kirchensteuer-Kirche" verunglimpft
Nach Worten von Martin Becher, Leiter der Fachstelle Demokratie und gesellschaftliches Miteinander der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, weiß die AfD sehr genau, was sie vorhat. Längst stünden auch die beiden großen Kirchen im Kreuzfeuer der Partei. Sie würden als "Kirchensteuer-Kirche" verunglimpft und müssten nach dem Willen der Partei deshalb mehr oder minder verschwinden.
Becher ermutigte dazu, Narrativen wie "Wir sind ein gespaltenes Land" oder "Dieses Land ist im Niedergang" entgegenzutreten. Nach wie vor sei die Demokratie in Deutschland sehr hoch angesehen. Deutschland sei die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und der stärkste Wirtschaftsstandort in Europa. Daher seien derartige Behauptungen schlicht falsch.
"Stellen Sie Fragen und nochmals Fragen"
Dennoch solle man den Kontakt zu AfD-Sympathisanten nicht abreißen lassen - auch nicht innerhalb der Kirchengemeinden: "Stellen Sie Fragen und nochmals Fragen und bewahren sich eine klare Haltung." Beispielsweise über Sachpolitik wie Renten, Gesundheit oder Bildung. Die AfD wolle nicht die Probleme der Menschen lösen, "sondern die Grundfesten der Demokratie verändern". Sie sei ein Meister des Vereinfachens. Belastbare Zahlen, ob Menschen in Kirchenämtern mit rechtsextremem Gedankengut sympathisieren, gibt es laut Becher nicht.