Nürnberg (epd). Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), hat gesellschaftlichen Zusammenhalt in turbulenten Zeiten angemahnt. Lokaljournalismus sei dabei kein "Nice-to-have", sagte er am Mittwoch bei der Eröffnung der Lokalmedientage in Nürnberg. "Er schafft Orientierung. Er unterstützt Meinungsbildung. Er macht Missstände sichtbar. Kurz: Lokaljournalismus ist demokratische Infrastruktur."

Globale Plattformen und Algorithmen setzten laut Schmiege heute die Regeln und entschieden, was sichtbar wird. Werbeeinnahmen wanderten ab und Produktionskosten stiegen. Man müsse sich daher Gedanken machen, wie man einen Schutzschirm über den Lokaljournalismus spannen könne. Die Streben dieses Schutzschirms seien Auffindbarkeit zwischen massenhaft anderen Inhalten, Kooperation zwischen den Medienhäusern und Innovation vor Ort sowie eine gesicherte Finanzierung. So könne etwa ein Teil der Einnahmen der marktmächtigsten Plattformen an die Content-Ersteller zurückfließen.

Schmiege: KI ersetzt keine Verantwortung

Der BLM-Präsident sprach sich auch für das Nutzen von Künstlicher Intelligenz (KI) als Werkzeug aus. "Aber KI ist kein Ersatz für journalistische Verantwortung", betonte er. Hier setzten das KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) und sein Reallabor samt Showroom in der BLM an. "Für mich ist klar: Die Zukunft gehört denen, die in Kreativität, in neue Geschäftsmodelle investieren." Der rote Faden der Lokalmedientage sei, nicht bequem zu werden und nicht zu warten, bis andere entschieden, sondern zu gestalten, sagte Schmiege.

Zu dem Branchentreffen in der Nürnberger Messe werden am Mittwoch und Donnerstag rund 800 Teilnehmende und 90 Speaker erwartet. Die Lokalmedientage gehen aus den Lokalrundfunktagen hervor, die seit mehr als 30 Jahren eine Vernetzungsplattform für Medienschaffende aus Radio und Fernsehen bilden. Man reagiere damit laut eigenen Angaben auf die Transformation in der Radio- und TV-Landschaft, die sich längst über das klassische "On Air"-Signal hinaus definiere.