Gablingen, München (epd). Die ARD hat eine Recherche mit neuen Indizien zu mutmaßlichen Vorfällen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Augsburg-Gablingen veröffentlicht. Wie der Bayerische Rundfunk am Donnerstag mitteilte, lägen dem BR und der Redaktion des ARD-Politmagazins KONTRASTE Chat-Nachrichten von Bediensteten der JVA vor, in denen sie sich über Misshandlungen an Inhaftierten austauschten. Die Informationen sollen offenlegen, dass Wächter vorsätzlich JVA-Insassen gedemütigt und misshandelt hätten.
Die frühere stellvertretende JVA-Leiterin soll laut der Enthüllungen in einer Chat-Nachricht eingeräumt haben, dass sie und JVA-Beamte "rechtswidrig" gehandelt hätten. Sie selbst soll Übergriffe "gebilligt und dann gedeckt haben", so der BR weiter. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach laut der Mitteilung von "massivsten Grundrechtsverletzungen" und dem "größten Skandal in einer Justizvollzuganstalt seit wir die Bundesrepublik Deutschland haben", würde sich der Verdacht bestätigen.
Ermittlungen laufen bereits seit Herbst 2024
Bereits im Oktober 2024 hatte der Evangelische Pressedienst epd über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der JVA Gablingen wegen möglicher "Körperverletzung im Amt" berichtet. Es habe der Verdacht bestanden, dass einzelne Gefangene möglicherweise nackt in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht worden seien, ohne dass dafür besondere Voraussetzungen vorgelegen hätten. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat nach Angaben des BR inzwischen gegen 13 damalige Bedienstete der JVA Gablingen Anklage erhoben - unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt. Für alle Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Die JVA Augsburg-Gablingen wurde 2015 erbaut und hat rund 600 Haftplätze.