Hersbruck, Nürnberg (epd). Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg hat die versuchte Brandstiftung an einem Kubus der KZ-Gedenkstätte in Hersbruck verurteilt. "Wer Erinnerungsorte an die Verbrechen des Nationalsozialismus angreift, greift unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Erinnerungskultur und die Würde der Opfer an", sagte der Allianz-Vorsitzende Stephan Doll laut Mitteilung vom Mittwoch in Nürnberg. Mitte Juni waren an der KZ-Gedenkstätte in Hersbruck unter anderem Rußspuren und im Umfeld Graffiti mit NS-Bezug festgestellt worden.

"'Nie wieder ist jetzt' ist und bleibt aktuell", sagte Doll weiter: "Wir müssen den Anfängen wehren." Die KZ-Gedenkstätte erinnere an das Leid tausender Menschen, die im Außenlager des KZ Flossenbürg entrechtet, ausgebeutet und ermordet wurden. Die stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Hann von Weyhern sagte: "Diese Geschichte darf niemals relativiert, verdrängt oder ausgelöscht werden." Gemeinsam mit den Allianz-Mitgliedern in Hersbruck - evangelisches Dekanat, evangelische Dekenatsjugend, Kulturbahnhof, Stadt und KZ-Dokumentationsstätte - würden Politik und Zivilgesellschaft dazu aufgerufen, Haltung zu zeigen: "Erinnerungskultur braucht Schutz, Engagement und Solidarität", sagten Doll und von Weyhern.

Polizei hat einen Tatverdächtigen ermittelt

Inzwischen wurde ein Tatverdächtiger ermittelt, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken am Dienstag mitteilte. Demnach konnten einem 27-jährigen Deutschen die versuchte Brandlegung, die Graffiti mit NS-Bezug im Umfeld der Gedenkstätte und weitere Graffiti im Stadtgebiet Hersbruck nachgewiesen werden. Die Taten beging er laut Ermittlungsstand in einer Nacht zwischen dem 12. und dem 15. Juni.

Die Polizei geht davon aus, dass sich der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand befand. Er sei derzeit auf eigene Veranlassung in einer Fachklinik. Am Freitag nahmen etwa 200 Menschen an einer Solidaritätskundgebung des Bündnisses "Hersbruck ist bunt" anlässlich des versuchten Brandanschlages teil.