Flossenbürg (epd). Mit einem feierlichen Akt hat die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg am Sonntag an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 81 Jahren erinnert. Die nationalsozialistischen Lager seien "Symbole der Schreckensherrschaft" gewesen, "an denen gequält, gedemütigt und gemordet wurde", sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) laut Redemanuskript in Flossenbürg. Das Leid, das an diesen Orten geschah, sei "unermesslich - und es verpflichtet uns heute und in der Zukunft". Die Lager seien aber "keine isolierten Orte des Grauens" gewesen.
Die Lebenswege der Opfer endeten an Orten wie dem KZ-Flossenbürg. Aber das Leiden durch den Terror habe viel früher begonnen, sagte der Minister. Der Terror sei getragen und ermöglicht worden "von Menschen - von Nachbarn, von Kollegen, von staatlichen Institutionen, die ihre Mitmenschen verrieten und zu Opfern machten". Daraus zog Herrmann den Schluss, dass eine Gesellschaft mit ihren staatlichen Institutionen nur so stark sein könne, "wie die Werte, die sie tragen - und wie die Menschen, die in ihnen Verantwortung übernehmen".
Freller: Außenlager als Orte des Leidens und Sterbens
Vor 81 Jahren endete zwar die "organisierte Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Lagersystems", das Erinnern daran aber dürfe nicht enden, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller. "Wir sind hier, weil wir es ihnen schulden: den Toten, den Überlebenden - und uns selbst." Unter den etwa 500 Gästen beim Gedenkakt waren auch die vier Überlebenden des KZs Flossenbürg und seiner Außenlager: Josef Salomonovic (Wien), Shelomo Selinger (Paris), Herzog Max aus Bayern und Leon Weintraub (Stockholm).
Die KZ-Gedenkstätte legte zum 81. Befreiungstag einen Fokus auf das weitverzweigte System des Konzentrationslagers Flossenbürg. Annähernd 80 Außenlager erstreckten sich von Würzburg bis Prag, vom nördlichen Sachsen bis nach Niederbayern. In 27 davon waren auch weibliche Häftlinge inhaftiert. Für viele Opfer seien diese Außenlager "der eigentliche Ort ihres Leidens und Sterbens - oft verborgen, oft vergessen", betonte Freller.
Die Parlamentarische Staatssekretärin Silke Launert (CSU) gedachte der Zehntausenden von Menschen, die in Flossenbürg durch Arbeit vernichtet wurden. "Am Morgen nicht zu wissen, ob man den Abend noch erlebt. Nein, wir können es uns nicht vorstellen", sagte sie und forderte auf, sich der Verantwortung zu stellen: "Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Vergessen niemals neutral ist - es ist gefährlich", zitierte sie die polnische Holocaust-Überlebende Tova Friedman, die am Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag gesprochen hatte. Insgesamt waren 100.000 Häftlinge im Stammlager in Flossenbürg und seinen Außenlagern inhaftiert. 30.000 Menschen überlebten den Terror der SS nicht.