Etliche evangelische Pfarrstellen in Bayern sind momentan nicht besetzt. Viele davon liegen in ländlichen Regionen. Ist das schon eine erste Auswirkung des befürchteten Pfarrermangels? Oder ist lediglich das Dorfpfarrer-Dasein nicht mehr attraktiv? Und welche Rolle spielt die momentan laufende Landesstellenplanung.
Oberkirchenrat Stefan Reimers ist für das Personal in der Landeskirche zuständig – und erläutert gegenüber dem Sonntagsblatt, weshalb die derzeitige Lage so ist, wie sie ist, und wie man damit umgeht.
Herr Reimers, die Liste der ausgeschriebenen - also vakanten, nicht besetzten - Pfarrstellen ist so lang wie schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Stefan Reimers: Es ist richtig, dass sich die Liste der "Erinnerungen" - also Stellen, die nicht gleich beim ersten Durchgang besetzt werden konnten - in den vergangenen Monaten immer weiter verlängert hat und nun bei einem neuen Höchststand angelangt ist. Der Hauptgrund dafür ist wahrscheinlich die momentan laufende Landesstellenplanung. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind deshalb im Moment eher zurückhaltend mit Bewerbungen, weil noch nicht in allen Dekanatsbezirken absehbar ist, wie sich die einzelnen Pfarrstellen entwickeln. Da gibt es aktuell ein gewisses Abwarten. Ich gehe aber fest davon aus, dass die meisten freien Stellen im Laufe dieses Jahres wieder neu besetzt werden.
"Ich kenne viele Pfarrerinnen und Pfarrer, die liebend gerne eine Stelle im ländlichen Raum übernehmen würden."
Viele der Pfarrstellen, die bereits seit längerem vakant sind - manche davon seit knapp drei Jahren -, liegen im ländlichen Raum. Ist das Dorfpfarramt inzwischen so unattraktiv?
Reimers: Nein, das würde ich so grundsätzlich nicht sagen. Ich kenne viele Pfarrerinnen und Pfarrer, die liebend gerne eine Stelle im ländlichen Raum übernehmen würden - aber die Rahmenbedingungen haben sich einfach verändert. Anders als früher sind inzwischen die meisten Ehepartner berufstätig, und oft eben nicht auch als Pfarrerin oder Pfarrer, sondern in anderen Berufsfeldern. Die Chancen auf eine gute Anstellung sind in Großstädten und Ballungsräumen nun einmal in der Regel viel größer. So wird es im ländlichen Raum immer schwieriger, beide Arbeitsbiografien miteinander zu verknüpfen. Das ist natürlich eine Herausforderung für uns, an der wir auch intensiv arbeiten.
Sie haben vorhin schon die laufende Landesstellenplanung angesprochen - die soll ja nun im Fünf-Jahres-Turnus erfolgen. Sind so lange Vakanz-Listen künftig dann die Regel?
Reimers: Ich bin überzeugt, dass wir nicht dauerhaft in Fünf-Jahres-Schritten Landesstellenplanung werden machen müssen - allerdings wird das in den kommenden zehn Jahren so sein, weil in dieser Zeit viele große Veränderungen anstehen. Zum einen gehen viele Pfarrerinnen und Pfarrer nun in den Ruhestand, zum anderen kommen weniger nach. Wir müssen also die Zahl der Stellen auf die Zahl der verfügbaren Personen anpassen. Für die nächsten zehn Jahre gilt: Jeder Inhaber einer Pfarrstelle muss damit rechnen, dass sich auch inhaltliche Veränderungen ergeben können, während er oder sie auf dieser Stelle arbeitet. Mein Ziel ist, dass wir nach den großen Umbrüchen der kommenden zehn Jahre wieder zu längerfristigen Planungen zurückkehren können.