Vor kurzem war die Klingel an unserer Haustür kaputt. Also nicht so richtig kaputt. Sie hatte eher ein Eigenleben entwickelt. Mitten am Tag. Mitten in der Nacht.
Ding-dong.
Und jedes Mal ging das Gedankenkarussell los: Erwarte ich jemanden? Kommt noch ein Paket? Hat ein Nachbar etwas für mich angenommen?
Vor allem nachts war dieses mulmige Gefühl sofort da. Was ist los? Ist vielleicht etwas passiert?
Am Anfang – da wusste ich noch nichts von dem Defekt – bin ich jedes Mal zur Tür gegangen. Und nie war jemand da.
Irgendwann habe ich im Internet nach dem Fehler gesucht. Die Ursache war erstaunlich banal: Die Batterie der Funkklingel war zu schwach. Neue Batterie rein, Problem gelöst. Seitdem klingelt es nur noch, wenn tatsächlich jemand vor der Tür steht.
Ein paar Tage später erzähle ich die Geschichte in der Mittagspause. Da berichtet ein Kollege von einem Erlebnis im Pfarrhaus. Abends klingelt es. Er öffnet die Tür. Und sofort schlägt ihm jemand mit beiden Fäusten entgegen. Mein Kollege kann den Mann zum Glück schnell überwältigen, er hat die Statur dafür, und er ruft die Polizei. Später stellt sich heraus: Der Mann war obdachlos, auf der Suche nach einem Schlafplatz und stand unter Drogen.
Eine heftige Geschichte. Die bleibt hängen.
Und ich merke: Ein unerwartetes Klingeln an der Tür löst bei mir oft erst einmal Misstrauen aus. Da will jemand etwas von mir. Vielleicht etwas verkaufen. Vielleicht eine dubiose Umfrage. Vielleicht jemand, der vorgibt, vom Stromanbieter zu sein. Man hört ja genug.
Und nachts sowieso.
Kurz darauf steht bei uns die Renovierung der Haustür an. Die alte Holztür stammt noch aus dem Jahr 1959. Sie hat mehr als siebzig Jahre ihren Dienst getan. Ein einfaches Schloss hat sie gesichert. Und inzwischen zieht es durch jede Ritze. Der Energieberater sagt: Die Tür muss raus.
Also fahren wir in eine Ausstellung.
Und dort komme ich aus dem Staunen nicht heraus: Fünffachverriegelung. Siebenfachverriegelung. Einbruchschutzklassen. Kameras. Fingerabdrucksensor. App-Steuerung. Was es alles gibt!
Die Türen sehen teilweise aus wie die Eingangstüren zu einem Tresor. Ich stehe vor diesen massiven Aluminiumflächen und denke: Das ist die Aluminium gewordene Antwort auf dieses mulmige Gefühl: Wer steht da draußen? Und kann ich der Person vertrauen?
Die Visitenkarte des Hauses
"Die Haustür ist die Visitenkarte Ihres Hauses." So wirbt ein Hersteller in der Ausstellung. Und ich denke: Da ist etwas dran. Denn eine Haustür hat eine merkwürdige Doppelrolle. Sie schützt. Und sie empfängt. Sie hält Menschen draußen. Und sie lässt Menschen herein.
Eine Haustür ist eben nicht einfach eine Mauer. Eine Tür kann sich öffnen. Deshalb sehen viele Haustüren heute aus, als wollten sie zwei Botschaften gleichzeitig senden: Die eine lautet: Ich bin stark gesichert, hier kommst du nicht so einfach hinein. Die andere Botschaft: Schön, dass du da bist. Blumen neben dem Eingang, eine Laterne, vielleicht eine Bank vor dem Haus, die sagt: Willkommen!, während das Sicherheitsschloss, die Kamera und die Verriegelung sagen: Dies ist ein geschützter Raum.
Genau in dieser Spannung bewegt sich auch ein Satz aus der Bibel, dem Hebräerbrief: "Gastfreundlich zu sein vergesst nicht.".
Ein schöner Satz. Öffne Menschen deine Tür. Bekannten, Vertrauten, auch Fremden.
Und da wird es spannend: Wie gehen wir mit dem um, was uns fremd ist? Mit Menschen, die wir nicht kennen. Mit Gedanken, die uns irritieren. Mit Lebensweisen, die anders sind als unsere.
Die Menschen, an die der Hebräerbrief geschrieben wurde, hatten es alles andere als leicht.
Sie lebten nicht in einer Zeit, in der Christsein gesellschaftlich anerkannt war. Viele wurden ausgegrenzt. Manche saßen im Gefängnis – weil sie beim staatlich verordneten Kult nicht mitgemacht haben. Andere verloren Freunde oder Ansehen. Und viele fragten sich irgendwann: Lohnt sich das alles überhaupt noch? Eine müde gewordene Gemeinde, Menschen ziehen sich zurück, Vertrauen geht verloren.
Mut für die Gemeinde
In diese Situation hinein schreibt jemand einen Brief. Er versucht, den Mut seiner Gemeinde wieder zu stärken.
"Die geschwisterliche Liebe bleibe unter euch erhalten."
Und dann geht es mit diesem erstaunlichen Satz weiter:
"Gastfreundlich zu sein vergesst nicht." (Heb.13,2)
Auf den ersten Blick wirkt das (fast) ein bisschen seltsam. Die Menschen kämpfen ums Durchhalten. Und der Briefschreiber spricht über Gastfreundschaft? Doch im griechischen Original steht ein Wort, das noch etwas mehr bedeutet: Φιλοξενία/Filoxenia.
Wörtlich übersetzt: Liebe zum Fremden. Nicht Liebe zu den Freunden. Nicht Liebe zu den Menschen, die so denken wie ich. Nicht Liebe zu denen, die ich ohnehin mag. Liebe zum Fremden.
Und plötzlich geht es um viel mehr als um Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Es geht um die Frage: Wie schaue ich auf das, was nicht zu meiner vertrauten Welt gehört?
Denn fremd ist ja vieles. Eine andere Sprache. Eine andere Kultur. Eine andere politische Meinung. Ein anderer Lebensstil. Manchmal sogar der neue Nachbar im Haus, der mich noch nie gegrüßt hat.
Die spontane Reaktion auf Fremdes ist oft Skepsis. Unser Gehirn prüft erst einmal: Ist das gefährlich? Muss ich aufpassen? Das ist menschlich. Kennen wir alle. Der Hebräerbrief fordert deshalb nicht dazu auf, den Verstand auszuschalten. Er lädt dazu ein, einen zweiten Blick zu wagen. Nicht erst fragen: Wovor muss ich mich schützen? Sondern auch: Was könnte ich verpassen, wenn ich mich komplett verschließe?
Eigentlich kommen wir hier zu einem Kern der christlichen Botschaft. Denn verdankt das Christentum seine ganze Geschichte nicht genau diesem zweiten Blick?
Jesus kam aus einem kleinen Winkel des römischen Reiches. Er sprach Aramäisch, eine Sprache, die heute kaum noch jemand kennt. Er sah auch nicht blond und hellhäutig aus, wie ihn westliche Gemälde oft zeigen. Seine ersten Anhänger lebten Tausende Kilometer von Bayern entfernt. Andere Kultur. Andere Klimazone.
Und trotzdem haben Menschen seine Botschaft weitergetragen. Sie haben sie übersetzt. In tausende Sprachen. In andere Kulturen. In andere Lebenswelten. Sie haben nicht gesagt: Ihr müsst erst werden wie wir. Sondern: Schaut selbst, ob in dieser Geschichte etwas steckt, das euch berührt. Und zwar auf eure Weise, in eurer Sprache.
Ohne diese Offenheit gäbe es heute wahrscheinlich keine christlichen Gemeinden in Deutschland.
Dunkle Schatten der Geschichte
Die Geschichte hat allerdings auch eine Schattenseite. Nicht immer sind Christen dem Fremden mit Respekt begegnet. Manchmal kamen Mission und politische Macht gemeinsam daher. Manchmal wurden Menschen gezwungen, ihre eigene Kultur geringzuschätzen. Manchmal wurde aus einer Einladung eine Besatzung.
Wo das geschah, wurde aus der Liebe zum Fremden plötzlich etwas ganz anderes. Dann sollte der Fremde nicht mehr fremd bleiben, sondern möglichst schnell so werden wie die anderen. Doch das widerspricht eigentlich der ursprünglichen Idee der φιλοξενία/Filoxenia.
Denn Liebe zum Fremden heißt nicht: Der Fremde muss verschwinden.
Liebe zum Fremden heißt: Ich begegne einem Menschen, der anders ist als ich – und gerade deshalb kann diese Begegnung mich verändern.
Vor einiger Zeit habe ich mit einer Frau gesprochen, die gerade von einer Begegnungsreise nach Rumänien zurückgekommen war. "Und?", habe ich gefragt. "Was hat Sie am meisten beeindruckt?" Sie musste nicht lange überlegen. "Die Gastfreundschaft."
Nicht die großartige Landschaft Siebenbürgens. Nicht die historischen Kirchenburgen. Nicht einmal das Essen. Nein: Die Gastfreundschaft.
Ähnliches höre ich immer wieder von Menschen, die aus Tansania, Lateinamerika oder Osteuropa zurückkommen.
Sie erzählen von Familien, die selbst nicht viel haben und trotzdem das Beste auf den Tisch stellen. Von Menschen, die Zeit schenken, obwohl sie in drei Jobs arbeiten. Von offenen Türen und offenen Herzen. Und fast immer fällt irgendwann ein Satz wie: "Wir haben unglaublich viel bekommen."
Ein Engel zu Besuch
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem der Hebräerbrief ansetzt. Denn der Satz geht ja noch weiter:
"Gastfreundlich zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt."
Ein wunderschönes Bild. Der Hebräerbrief erinnert hier an eine alte Geschichte aus dem ersten Buch Mose. Abraham sitzt vor seinem Zelt, als plötzlich drei Fremde auftauchen. Er kennt sie nicht, weiß nicht, wer sie sind, geschweige denn, was sie wollen.
Aber er lädt sie ein, gibt ihnen Wasser, Brot und einen Platz zum Ausruhen. Und erst später merkt er: In dieser Begegnung war mehr verborgen, als er geahnt hatte. Gott selbst ist ihm nahe gekommen. Gott war der Fremde, den er beherbergt hat.
Natürlich laufen uns heute – außer an Fasching oder beim Nürnberger Christkindlesmarkt – keine Engel mit Flügeln über den Weg. Zumindest nicht, dass ich wüsste…
Die Geschichte beschreibt etwas, das viele Menschen kennen.
Da begegnet uns jemand, von dem wir zunächst denken: Ich helfe jetzt. Und plötzlich stellen wir fest: Eigentlich wurde ich selbst beschenkt.
Wir haben seit kurzem einen neuen Kollegen im Team. Anfangs wirkt alles fremd. Missverständnisse, andere Erfahrungen, andere Gewohnheiten, andere Sichtweisen.
Schon ein paar Monate später fragt man sich, wie die Gruppe jemals ohne ihn funktioniert hat.
Oder die verwitwete ältere Frau, die seit dem Tod ihres Mannes kaum noch das Haus verlässt. Irgendwann klingelt eine junge Frau aus dem Haus nebenan und bittet um Hilfe bei einem Formular. Aus zehn Minuten werden zwei Stunden. Aus einer Begegnung wird eine Freundschaft. Eigentlich wollte die eine helfen. Am Ende haben beide etwas gewonnen.
Vielleicht sind das die Engel(s)geschichten unseres Alltags. Menschen, die etwas in unser Leben bringen, womit wir nicht gerechnet haben. Eine neue Sicht auf die Welt, eine unerwartete Ermutigung. Manchmal sogar die Erfahrung, dass wir nicht allein sind.
Der Hebräerbrief behauptet deshalb nicht, jeder Fremde sei ein Engel. Und er fordert auch keine Naivität. Denn nicht jeder Mensch meint es gut - leider. Nicht jede Tür muss geöffnet werden. Nicht jedes Vertrauen ist berechtigt.
Wenn ich gastfreundlich bin, muss ich ja nicht den gesunden Menschenverstand an der Garderobe abgeben. Aber ich muss mich auch nicht von der Angst bestimmen lassen. Wer jede Tür verschlossen hält, bleibt zwar vor manchen Enttäuschungen bewahrt. Er verpasst vielleicht aber auch die Begegnungen, die sein Leben reich machen könnten.
Möglicherweise ist das/ich finde, das ist die eigentliche Pointe des Hebräerbriefes: Die Welt ist nicht nur voller Risiken. Trotz aller Nachrichten, trotz der großen, schlimmen Katastrophen. Sie ist auch voller Menschen, durch die uns etwas von Gottes Güte entgegenkommt.
Manchmal ganz überraschend. Und manchmal klingelt sie sogar an unserer Haustür.
Die große Frage unserer Zeit lautet, wer darf hinein und wer soll draußen bleiben.
Ausgerechnet das sperrige Wort 'Beherbergungsverbot' wird in einem Lied der Band Erdmöbel zu einer Sehnsucht – damals gedichtet in der Pandemie, aber gültig weit darüber hinaus. Sehnsucht nicht nach Hotels, Sehnsucht nach offenen Türen.
Es geht um Grenzen, um Migration. Um Zugehörigkeit und Identität. Um Sicherheit. Und immer um die Frage, wem wir die Tür öffnen und wem nicht. Und ehrlich gesagt: Ich beneide niemanden, der darüber politische Entscheidungen treffen muss. Denn die Fragen sind kompliziert. Viel komplizierter, als manche Schlagzeile vermuten lässt. Wie viele Menschen kann ein Land aufnehmen? Wie gelingt Integration? Wie schützen wir Menschen, die Hilfe brauchen? Und wie schützen wir zugleich das, was uns wichtig ist?
Auf solche Fragen gibt die Bibel keine fertigen Antworten. Sie kennt keine modernen Nationalstaaten. Keine Außengrenzen einer Europäischen Union. Keine globalen Fluchtbewegungen.
Die Bibel stellt eine andere Frage. Eine Frage, die vor jeder politischen Entscheidung steht. Wie schauen wir auf den Fremden? Sehen wir zuerst eine Gefahr? Eine Belastung? Eine Zahl in einer Statistik? Oder sehen wir einen Menschen?
Aus Liebe zum Menschen
Genau hier setzt die φιλοξενία/Filoxenia an, die Liebe zum Fremden. Sie fordert nicht, dass alle alle Grenzen überwinden müssen. Auch nicht, dass jede Tür immer offenstehen soll – denn eine Tür kann nur geöffnet werden, wenn sie auch geschlossen werden kann. Wer gastfreundlich sein will, braucht einen geschützten Raum.
Aber: die Tür ist mehr als ein Schloss mit Schlüssel, sie ist quasi auch "Klinke". Hinlangen, runterdrücken, öffnen. Und vielleicht liegt genau darin die Herausforderung. Nicht in der Frage, ob wir jede Tür aufmachen. Sondern ob wir überhaupt noch bereit sind, sie zu öffnen.
Gastfreundschaft hat einen tiefen Ernst. Sie kann Leben retten. Sie gehört zu den sieben Werken der Barmherzigkeit im Christentum. Aber nicht nur da. Auch in anderen Religionen ist sie ein göttliches Gebot. Ich habe eine Geschichte aus Albanien gehört. Hier sind die meisten Menschen Muslime. Als die deutsche Wehrmacht 1943 das Land besetzt, wird es auch hier für allen Jüdinnen und Juden lebensgefährlich. Aber die muslimischen Familien öffnen ihre Türen, verstecken diese Menschen. Geben ihnen zu Essen. Retten sie. Und retten auch ihre eigene Menschlichkeit. Sie retten Gott in ihrem Herzen. Sie teilen die eigene Verletzlichkeit mit denen, die um ihr Leben kämpfen. In Albanien heißt das Recht auf Gastfreundschaft "Besa". Die Kinder jener Beschützer erzählen, was das damals für ihre Eltern bedeutet hat: "Unsere Eltern waren gläubige Muslime und glaubten, wie wir auch, dass jedes Klopfen an der Tür ein Segen Gottes sei. Alle Menschen kommen von Gott. Besa existiert in jeder albanischen Seele. Unser Haus ist in erster Linie Gottes Haus, in zweiter Linie das Haus unserer Gäste und erst an dritter Stelle das Haus unserer Familie. Der Koran lehrt uns, dass alle Menschen, - Juden, Christen und Muslime unter dem einen Gott stehen"[1].
Solche Geschichten müssen erzählt werden, wie in dem nächsten Lied "Borders" – Grenzen von Bukahara.
Ich denke noch einmal an unsere neue Haustür. Sie ist deutlich sicherer als die alte. Besser gedämmt. Stabiler. Wenn ich jetzt den Schlüssel vergesse, kann ich sie nicht mehr mit der EC-Karte knacken, wie früher. Und trotzdem wäre etwas verloren, wenn sie nur noch Schutz bieten würde. Keine Haustür hat ihren Sinn darin, für immer geschlossen zu bleiben. Sie soll Menschen hereinlassen. Freunde. Nachbarn. Familie. Auch Menschen, die wir noch gar nicht kennen.
Der Hebräerbrief erinnert mich daran, dass christlicher Glaube nicht bei der Frage beginnt, wie fromm wir sind. Christlicher Glaube beginnt mit der Frage: Traue ich dem anderen zu, mehr zu sein als das Bild, das ich mir von ihm (oder von ihr) gemacht habe.
Bin ich bereit sind, mich berühren zu lassen. Offen zu bleiben für Begegnungen. Denn wer weiß? Vielleicht wartet hinter mancher Tür, die wir zögernd öffnen, nicht die Gefahr, die wir befürchtet haben. Sondern ein Mensch. Und mit ihm eine Geschichte. Eine Freundschaft. Eine neue Perspektive. Oder eine Spur von Gottes Gegenwart.
Vor einigen Wochen war die Haustür endlich eingebaut. Eigentlich hätte die Geschichte dort enden können.
Hat sie aber nicht.
Ich gehe raus
Denn kurz danach stand das nächste Projekt an: der Gartenzaun. Die alten Pfosten mussten raus. Neue Löcher graben. Beton anrühren. Holz montieren. Und natürlich war es genau in diesen Tagen sommerlich heiß.
Drei Tage lang habe ich mit meinem Schwiegervater draußen gearbeitet. Und dabei ist etwas Merkwürdiges passiert. Plötzlich blieb alle naselang jemand stehen. Autos. Nachbarn und Spaziergänger. Menschen mit Hund.
"Ganz schön viel Arbeit, oder?"
"Machen Sie alles selbst?"
"Das wird aber schön!"
Aus einem kurzen Kommentar wird ein Gespräch. Aus einem Gespräch manchmal eine längere Unterhaltung. Viele dieser Menschen wären wahrscheinlich nie zu meiner Haustür gekommen. Wir hätten uns nie kennengelernt, vielleicht auf ewig nur von Ferne gegrüßt. Aber draußen, vor dem Haus, zwischen Schaufel, Beton und Gartenzaun, plötzlich begegnen wir uns.
Ich habe wohl den Hebräerbrief lange Zeit etwas zu einseitig gelesen. Als ginge es nur darum, ob ich meine Tür öffne oder geschlossen halte. Gastfreundschaft ist mehr. Sie beginnt dort, wo ich selbst hinausgehe. Wo ich meine vertraute Welt verlasse, meinen "safe space" überwinde. Wo ich ansprechbar werde und wo ich Menschen begegne, die nicht ohnehin zu meinem Freundeskreis gehören.
Der Fremde steht nicht immer vor meiner Tür. Manchmal ist er einfach irgendwo da draußen. Auf der Straße. In der S-Bahn. Am Gartenzaun. Im Büro. Oder an dem Ort, an dem ich eigentlich nur schnell etwas erledigen wollte.
"Gastfreundlich zu sein vergesst nicht". Öffnet eure Türen. Und geht hinaus.
Und wer weiß?
Vielleicht begegnet uns dort manchmal mehr, als wir auf den ersten Blick erkennen können.
[1] Fulbert Steffensky, Kommt, kommt herein!, Publik-Forum Extra "Gastfreundschaft", Mai 2015, S. 9–11.
Die Evangelische Morgenfeier
"Eine halbe Stunde zum Atemholen, Nachdenken und Besinnen" - der Radiosender Bayern 1 spielt die Evangelische Morgenfeier für seine Hörer:innen immer sonntags von 10.05 bis 10.30 Uhr. Dabei haben Pfarrer:innen aus ganz Bayern das Wort. "Es geht um persönliche Erfahrungen mit dem Glauben, die Dinge des Lebens - um Gott und die Welt."
Sonntagsblatt.de veröffentlicht die Evangelische Morgenfeier im Wortlaut jeden Sonntagvormittag an dieser Stelle.