Sinkende Bindung an kirchliche Strukturen, vielfältigere Lebenswelten und neue Erwartungen an Begleitung: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verändert sich grundlegend. Hauptberufliche in der evangelischen Jugendarbeit stehen vor der Aufgabe, junge Menschen in einer komplexer werdenden Welt zu erreichen und ihnen Räume für Begegnung, Orientierung und Spiritualität zu eröffnen.

Die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) reagiert darauf mit einem neuen Fortbildungsformat: Dem "House of Competence" (HoC). Vom 15. bis 17. Februar 2027 treffen sich im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum (EBZ) Pappenheim Hauptberufliche aus der Kinder-, Konfi- und Jugendarbeit zu drei Tagen mit Seminaren, Austausch und geistlichen Impulsen.

Eine neue Zeit für die Jugendarbeit

Die Veränderungen in der Jugendarbeit sind nach Einschätzung von Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche nicht auf eine einzelne Entwicklung zurückzuführen. Vielmehr wirkten verschiedene Faktoren gleichzeitig: Junge Menschen lebten vielfältigere Lebensentwürfe, ihre Bindung an Institutionen verändere sich, gleichzeitig steige der Wunsch nach persönlicher Begleitung.

"Jugendarbeit steht heute vor der Herausforderung, in einer zunehmend komplexen Lebenswelt Orientierung, Beziehung und Sinnangebote zu ermöglichen", sagt Fritsche dem Sonntagsblatt.

Auch die Arbeit innerhalb der Evangelischen Jugend befindet sich im Wandel. Nicht nur die Lebenslagen junger Menschen verändern sich, sondern auch Rahmenbedingungen, Rollenprofile und Personalstrukturen. Für Hauptberufliche bedeutet das: Sie müssen ihre Arbeit immer wieder neu an den jeweiligen Kontext anpassen.

Beziehung bleibt die wichtigste Kompetenz

Digitale Werkzeuge, neue Methoden und moderne Kommunikationsformen gehören inzwischen selbstverständlich zur Jugendarbeit. Doch sie allein entscheiden nicht darüber, ob Angebote junge Menschen erreichen.

"Entscheidend sind vor allem Beziehungsfähigkeit, theologische Sprachfähigkeit und die Kompetenz, Räume zu gestalten, in denen junge Menschen willkommen sind und eigene – auch spirituelle – Erfahrungen machen können", erklärt Fritsche.

Damit verbunden sei die Frage, wie Kirche jungen Menschen heute begegnen könne: nicht mit fertigen Antworten, sondern mit Angeboten, die ihre Lebensrealität ernst nehmen.

Dafür brauche es vor allem Handlungskompetenz. Sie entstehe dort, wo Fachwissen und praktische Erfahrung zusammenkommen.

Ein neues Format für gemeinsames Lernen

Genau hier setzt das "House of Competence" an. Die EJB bündelt mit dem neuen Angebot verschiedene Fortbildungsbereiche an einem Ort und zu einem gemeinsamen Termin.

Die Teilnehmenden können aus bis zu zwölf parallel stattfindenden Seminaren ihr eigenes Programm zusammenstellen. Die Themen reichen von Grundlagen und Organisation über arbeitsfeldspezifische Fragen bis zu digitalen Methoden und Spiritualität.

Auf dem Programm stehen unter anderem Angebote wie "Beginnen, Begleiten, Beteiligen", Konfliktmanagement in multiprofessionellen Teams, die Gestaltung der Arbeit mit Ehrenamtlichen, Social Media, Erlebnispädagogik oder geistliche Begleitung.

Vom Einzelkämpfertum zum Netzwerk

Neben den fachlichen Impulsen soll vor allem der Austausch eine wichtige Rolle spielen. Eine Netzwerk-Lounge, gemeinsame Abende und ein besonderer Gottesdienst gehören zum Programm.

Für Fritsche liegt darin ein entscheidender Mehrwert. "Das ‚House of Competence‘ setzt bewusst auf gemeinsames Lernen und kollegialen Austausch", sagt der Landesjugendpfarrer.

Gerade angesichts von Regionalisierung und stärkerer Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen werde es wichtiger, nicht allein vor den eigenen Herausforderungen zu stehen.

"In der Begegnung entsteht oft mehr als in klassischen Fortbildungen: neue Ideen, gegenseitige Ermutigung und konkrete Kooperationen", sagt Fritsche.

Jugendarbeit gemeinsam weiterentwickeln

Das "House of Competence" versteht sich deshalb nicht nur als Fortbildungsangebot, sondern auch als Ort, an dem eine gemeinsame Kultur der evangelischen Jugendarbeit wachsen soll.

Die Hoffnung der Verantwortlichen: Wer neue Impulse bekommt, Erfahrungen teilt und Kontakte knüpft, kann junge Menschen vor Ort besser begleiten.

Das neue Format soll damit eine Antwort auf eine zentrale Frage geben: Wie bleibt evangelische Jugendarbeit in einer sich verändernden Gesellschaft lebendig, anschlussfähig und nah an jungen Menschen?

House of Competence auf einen Blick

Termin: 15. bis 17. Februar 2027
Ort: Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum (EBZ) Pappenheim
Zielgruppe: Hauptberufliche in der Kinder-, Konfi- und Jugendarbeit
Angebot: Bis zu zwölf parallele Seminare, Austausch, Netzwerkangebote und spirituelle Impulse