Was ist echt, was Künstliche Intelligenz (KI)? Wenn der amerikanische Präsident Donald Trump in Pumps und kurzem Röckchen über die Straße tänzelt, ist es eindeutig fake. Doch KI-Bilder sind oft nicht so leicht zu erkennen. KI stellt auch Familien vor neue Herausforderungen, zeigt die aktuelle Studie "Eltern im Fokus" der Körber-Stiftung. 42 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind bereits Falschinformationen oder KI-generierte Inhalte für echt gehalten hat. Befragt wurden 1.004 Eltern von Schulkindern zwischen 12 und 18 Jahren.

"KI ist längst im Familienalltag angekommen, doch viele Familien sind auf die neuen Herausforderungen nicht ausreichend vorbereitet", sagt Jenny Meßinger-Koppelt, Leiterin des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung. Mehr als jedes vierte Elternteil fühle sich im Umgang mit KI-Anwendungen unsicher (28 Prozent). Eltern, die ihre Kinder kompetent begleiten wollen, stoßen beim Umgang mit KI und Desinformation "zunehmend an Grenzen", weiß die Bereichsleiterin.

Eltern nicht alleine lassen

Wenn Eltern unsicher im Umgang mit KI seien und zugleich sehen, dass ihre Kinder Falschinformationen und KI-generierte Inhalte nicht sicher erkennen, sei das ein deutliches Warnsignal. "Damit dürfen wir Eltern nicht alleine lassen", sagt Meßinger-Koppelt.

Entsprechend groß ist der Unterstützungsbedarf: 65 Prozent der Eltern wünschen sich mehr Informationen darüber, wie sie Falschinformationen sowie KI-generierte Bilder und Videos erkennen können. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) wissen laut Umfrage jedoch nicht, wo sie sich informieren und Unterstützung erhalten können. Es brauche dringend "niedrigschwellige Angebote, die Eltern Orientierung geben und sie im Alltag unterstützen”, sagt Meßinger-Koppel.

Mehr Vorgaben gefordert

Daneben wünschen sich Eltern auch außerhalb der Familie mehr verbindliche Vorgaben zur Mediennutzung: 58 Prozent befürworten ein generelles Handyverbot an Schulen, 57 Prozent ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige.

Viele Eltern erleben, dass ihre Kinder im Internet mit problematischen Inhalten in Berührung kommen. 35 Prozent berichten, dass ihr Kind bereits mit extremen politischen Ansichten konfrontiert wurde, 32 Prozent erhielten Informationen über Verschwörungstheorien. Mehr als jedes dritte Elternteil (35 Prozent) fühlt sich eher schlecht oder sehr schlecht darüber informiert, was das eigene Kind online macht.

Kritischer Umgang gefragt

94 Prozent der Eltern halten es laut Umfrage für wichtig oder sehr wichtig, dass ihre Kinder lernen, Falschinformationen von Fakten zu unterscheiden. "Kinder zu einem souveränen und kritischen Umgang mit KI und Desinformation zu befähigen, ist eine gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schulen und Gesellschaft", findet die Bereichsleiterin.

Laut dem Medienkompetenz-Portal "Fake Off" ist die Zahl weltweit gemeldeter Deepfakes von rund 500.000 im Jahr 2023 auf geschätzte acht Millionen im Jahr 2025 gestiegen. Das entspreche einem Anstieg von 1.500 Prozent innerhalb von zwei Jahren, heißt es auf der Website.

Verpflichtende Medienerziehung

"Wir lassen Kinder oft zu früh unbegleitet und unvorbereitet ins Internet. Wir müssen unsere Kinder viel besser vorbereiten - und uns selbst als Eltern auch!", fordert der Münchner Digitaltrainer Daniel Wolff im Begleitbericht zur Studie. Informierte Eltern würden ihren Kindern erst später ein Smartphone geben. "Medienerziehung ist heute der wichtigste Teil der Erziehung geworden, wenn wir unsere Kinder fit machen wollen für eine Zukunft voller künstlicher Intelligenz."

Es brauche verpflichtende Medienbildung für alle Kinder ab der ersten Klasse, mehr Medienerziehung für Eltern, Lehrkräfte und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger. Und "wir sollten Eltern schon in der Schwangerschaftsberatung helfen zu verstehen, was Bildschirme heute bei Babys und Kleinkindern anrichten können", sagt Wolff.

Die häufigste Folge von exzessivem Handy-Konsum bei Kindern ist Sucht. Vor allem Kurzvideo-Formate und Spiele würden Kinder und Jugendliche süchtig machen, sagt Wolff und verweist auf die neue "OTTER"-Studie 2026 der DAK. Demnach gibt es in Deutschland Hunderttausende nach klinischer Definition süchtige Kinder - und Millionen mit gefährdeter Nutzung. Wolff: "Wir haben hier ein gesellschaftliches Problem von einem Ausmaß, das so groß ist, dass wir sofort tätig werden müssen."