München (epd). In der Debatte um einen möglichen Verkauf der evangelischen Nazarethkirche hat sich der Pfarrer der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde St. Gabriel in München zu Wort gemeldet. Das von der CSU Ortsgruppe anberaumte Anwohnergespräch von vergangenem Montag sei für seine Gemeindemitglieder ein Schock gewesen, sagte Liqe Birhanat Komos Aba Yared Misganaw im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei das erste Mal, dass eine äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Deutschland auf so großen Widerstand von Politikern, Juristen und Bürgern stoße. Seine Gemeinde wolle die Nazarethkirche "als Kirche erhalten - was ist daran falsch?"
Die 1993 gegründete "Äthiopisch-orthodoxen Tewahedo Kirche Debre Bisrat St. Gabriel", so der offizielle Name, nutzt aktuell ein ehemaliges evangelisches Gemeindezentrum in München-Moosach. Sie besteht laut Aba Misganaw aus 350 registrierten Mitgliedern, dazu kämen etwa 50 bislang Nicht-Registrierte. Alle stammten aus dem Münchner Stadtgebiet. Woher die Gesamtzahl von 3.500 äthiopisch-orthodoxen Christen in Bayern komme, die auf der Homepage des Arbeitskreises christlicher Kirchen (AcK) zu finden ist, wisse man nicht. St. Gabriel München gehöre zu den größten deutschen Gemeinden. Im Freistaat gibt es noch Gemeinden in Nürnberg, Regensburg und Würzburg, die aber völlig selbstständig organisiert seien. "Es sind also - auch wenn uns die genauen Zahlen fehlen - niemals 3.500 in Bayern", sagte der Geistliche.
Rund 200 Gläubige im Sonntagsgottesdienst
An einem normalen Sonntag kämen rund 200 bis 250 Mitglieder in den Gottesdienst, der um sieben Uhr morgens beginnt, mit Vorgebeten ab fünf Uhr. Die meisten Gläubigen kämen um sieben Uhr in die Kirche und blieben in der Regel bis zum Schluss gegen neun Uhr. Danach tausche man sich bei Brot, Tee und Kaffee aus. Nur an hohen Festtagen steige der Besuch auf 300 bis 400 Personen. "Am höchsten Feiertag, dem St. Gabriel-Jahrestag, sind es vielleicht 500 - das ist das absolute Maximum, einmal im Jahr", erklärte Aba Misganaw.
Die Gottesdienste werden von Gesang und Instrumenten begleitet, darunter auch Trommeln. Doch "von den 25 äthiopisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland haben fast alle Gotteshäuser mitten in Stadtvierteln mit Wohngebieten, und die Schalldämmung all dieser Kirchen reicht aus, um Gottesdienste abzuhalten, die die Anwohner nicht über Gebühr stören", betonte der Geistliche.
"Gut integrierte Mitglieder der Stadtgesellschaft"
Die Münchner Gemeinde setze sich aus Menschen aller Lebenslagen zusammen, so der Pfarrer: gut integrierte Mitglieder der Münchner Stadtgesellschaft, Jung und Alt, Familien, Alleinstehende, Berufstätige, Studierende und Flüchtlinge. "Sie wären emotional sehr enttäuscht, wenn unser Vorhaben von einer Bürgerinitiative gestoppt würde", sagte der Pfarrer.