Tutzing (epd). Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, hat die untrennbare Verbindung von christlichem Glauben und politischer Verantwortung betont. In einem aktuellen mehrseitigen Essay für "Einsichten und Perspektiven - Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte" (Ausgabe 01/2026) der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit hebt er die Rolle der Kirchen als notwendiges Forum für den gesellschaftlichen Diskurs hervor.
Hahn betont, dass die biblische Botschaft "schon immer politisch" war, da sie die unantastbare Würde aller Menschen als Geschöpfe Gottes verkünde. Der evangelische Theologe, der auch Vorsitzender des Vorstands der Evangelischen Akademien in Deutschland ist, beschreibt das kirchliche Engagement als ständige Herausforderung zwischen Einmischung und Zurückhaltung. "Die Kirchen wollen nicht selbst Politik machen, sie wollen Politik möglich machen", so Hahn. Dennoch gehöre es zum biblisch begründeten "Wächteramt", die Obrigkeit auch direkt auf Versäumnisse und Verfehlungen aufmerksam zu machen.
Hahn: Rechtspopulisten missbrauchen Christentum
Deutlich positioniert sich Hahn gegen verfassungsfeindliche Strömungen. "Rechtsextremes Gedankengut ist mit christlicher Theologie unvereinbar", lautet eine der Kernbotschaften seines Textes. Er warnt davor, dass Rechtspopulisten das Christentum lediglich als "inhaltsleeren Identitätsbegriff" zur nationalen Abgrenzung missbrauchen. Die Kirchen müssten eine Balance aus "Nächstenliebe und Nüchternheit, Barmherzigkeit und Besonnenheit" finden. Sie müssten als Forum für die Verständigung dienen.