München (epd). Vom Schwarzbau zum Baudenkmal: Die Einsiedelei von Väterchen Timofej (1894-2004) im Münchner Olympiapark ist in die bayerische Denkmalliste aufgenommen worden. Das Gelände des "Ost-West-Friedengartens" sei wie "ein gallisches Dorf im Herzen der Landeshauptstadt", erklärte Generalkonservator Matthias Pfeil beim Ortstermin am Dienstag laut Pressemitteilung. Es zeuge von der Wohnraumnot der Nachkriegszeit genauso wie von der Willenskraft zweier Menschen, "die darauf inmitten einer mit Trümmerschutt bedeckten Landschaft eine Antwort fanden". Durch die Erhebung in den Denkmalrang liege der Erhalt der Einsiedelei als "einzigartiges Zeitzeugnis" jetzt im Interesse der Allgemeinheit, betonte Pfeil.
Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bezeichnete die ab 1953 aus Kriegsschutt erbauten Gebäude inmitten eines blühenden Gartens als "Kleinod, das in München einzigartig ist". Mit der Eintragung als Baudenkmal würdige man nicht nur die architektonische und historische Bedeutung des Orts, sondern auch die Menschen, die ihn über viele Jahre mit großem Einsatz bewahrt hätten. "Es war ein langer Weg vom Schwarzbau zum Baudenkmal, aber er zeigt, dass Wille manchmal Berge versetzen kann", sagte Krause.
Abgebrannte Kirche soll wiederaufgebaut werden
Timofej Prochorow wurde am 22. Januar 1894 nahe dem russischen Rostow am Don geboren. Nach einer Marienvision kam er über Umwege 1952 nach München, begleitet von seiner zukünftigen Lebensgefährtin Natascha Dankow. Beide erbauten auf dem heutigen Gelände des Olympiaparks aus Kriegsschutt zwei Wohnhäuser, eine Kapelle und die Ost-West-Friedenskirche. "Väterchen Timofej" starb am 14. Juli 2004. Die Kirche brannte 2023 ab. Der Verein "Ost-West-Friedensgarten" sammelt unter der Schirmherrschaft von Alt-Oberbürgermeister Christian Ude Spenden, um sie originalgetreu wieder aufzubauen.