München (epd). Menschenfeindliche und völkisch-nationalistische Haltungen sind nach Ansicht der bayerischen evangelischen Synodalpräsidentin Tanja Keller mit kirchlichen Ämtern unvereinbar. Das christliche Menschenbild schließe alle Positionen aus, die Menschen ihrer Würde berauben, schreibt Keller in der aktuellen Ausgabe der Evangelischen Wochenzeitung für Bayern, "Sonntagsblatt" (München). Mit einer solchen Haltung könnten keine Haupt- und Ehrenämter sowie Leitungsverantwortung in Kirche und Diakonie übernommen werden, so Keller, die hauptberuflich Richterin am Arbeitsgericht in Regensburg ist.

Dass die Kirche menschenfeindlichen Positionen entgegentrete, macht laut Keller zurzeit auch die mitteldeutsche Kirche in Sachsen-Anhalt im Vorfeld der Landtagswahlen am 6. September deutlich. Nach 1945 habe sich die evangelische Kirche vorhalten lassen müssen, nicht deutlich genug für die verfolgten Menschen eingetreten zu sein: "Das darf sich nicht wiederholen."

In Kirchengemeinden muss auch mit AfD-Anhängern gesprochen werden

In kirchlichen Gemeinden und Einrichtungen müsse mit den Menschen auch über gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden. "Dazu gehört auch das Gespräch mit Menschen, die sich der AfD zugewandt haben oder mit der Politik unzufrieden sind", schreibt die Synodalpräsidentin. Es gehe darum, sich darüber klar zu werden, "in was für einem Land wir leben wollen".

Jesus habe sich immer für die Menschen interessiert, die am Rande stehen, "die es aus verschiedenen Gründen schwerer haben als andere", und habe sie unterstützt. Diesem Auftrag müsse die Kirche gerecht werden, so Keller. Als Richterin sei sie verpflichtet, "alles zu tun", um die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen. Sie sehe sich daher in einer Doppelrolle: Als Richterin wie auch Synodalpräsidentin sei es ihre Aufgabe, sich für die Menschenwürde einzusetzen.

Keller war im März zur neuen Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode gewählt worden.