Hannover (epd). Jüngere Beschäftigte laufen einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zufolge Gefahr, das Rentenalter künftig in schlechterer Gesundheit zu erreichen als die heutige Generation älterer Erwerbstätiger. "Insgesamt zeigt unsere Studie, dass die gesundheitliche Entwicklung oft nicht mit dem Anstieg der Lebensarbeitszeit Schritt hält", sagte Projektleiterin Juliane Tetzlaff am Dienstag in Hannover.

Ein überraschendes Ergebnis der Untersuchung zeige, dass gerade im jüngeren Erwerbsalter die Gesundheit nachlässt und immer mehr Jahre in schlechter Gesundheit zwischen dem 18. und 44. Lebensjahr hinzukommen, erläuterte die Gesundheitsdemografin. Als mögliche Gründe nannte Tetzlaff eine Zunahme von Adipositas-Fällen sowie belastende Veränderungen in der Arbeitswelt wie häufigere Arbeitsplatzwechsel oder eine verdichtete Arbeitszeit mit wenig Pausen.

Bildung entscheidet über gesunde Jahre

Menschen mit höherem Bildungsniveau könnten im Schnitt deutlich mehr gesunde Jahre erwarten als Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen, ergänzte Tetzlaff. Diese Ungleichheit habe sich seit Mitte der 2000er Jahre weiter verschärft. Auch Beschäftigte in belastenden Berufen hätten deutlich weniger gesunde Jahre im Erwerbsalter zu erwarten.

Für die Untersuchung analysierten die MHH-Forscher den Angaben zufolge unter anderem Daten von mehr als drei Millionen AOK-Versicherten gezielt zu Erkrankungen, die häufig zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führen, etwa Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- und Krebserkrankungen. Innerhalb dieser Krankheitsgruppen gingen schwere Erkrankungen wie Krebs oder koronare Herzleiden zurück, dagegen träten Muskel-Skelett-Erkrankungen immer häufiger und früher auf und begleiteten Betroffene über längere Phasen des Erwerbslebens, hieß es.