Nürnberg (epd). Am 9. Oktober werden an sieben Stellen in Nürnberg weitere zehn Stolpersteine für Mitbürger verlegt, die von den Nazis verfolgt wurden. Inzwischen sind es im ganzen Stadtgebiet mehr als 240 Stolpersteine. Zwei der neuen Steine stehen für die Lebens- und Leidensgeschichte des Maschinisten Leonhard Eichmüller und des Malers Karl Riemer, wie der Verein "Geschichte Für Alle" am Donnerstag mitteilte. Die beiden Sozialisten Leonhard Eichmüller (1884-1975) und Karl Riemer (1908-1947) wurden im April 1933 in das KZ Dachau verschleppt und dort zwölf Jahre lang gefangen gehalten.

Als Leiter eines Müllfahrerkommandos ermöglichte Eichmüller im April 1945 mehreren Häftlingen die Flucht. Unter ihnen habe sich Riemer befunden, der sich zu den heranrückenden amerikanischen Truppen durchgeschlagen und sie über die Lage im Konzentrationslager informiert habe, heißt es in der Mitteilung des Vereins. Ob sein Bericht die Befreiung des Lagers beschleunigte, sei historisch umstritten.

Jüdische Mitbürger verfolgt und ermordet

Die neuen Stolpersteine erinnern auch an das Leben von Justin, Jenny und Susanne Kraus sowie Sally und Rosa Joskowitz und Ida Herz. Sie waren jüdische Mitmenschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Außerdem werden Stolpersteine für Eduard Hettlich und Johann Riemer verlegt - zwei Nürnberger Bürger, die aus politischen oder weltanschaulichen Gründen vom NS-Regime drangsaliert wurden.

Die Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig sind den Angaben zufolge das größte dezentrale Denkmal der Welt. In über 1.800 Städten und Dörfern in Deutschland und 27 weiteren Ländern Europas erinnerten die Gedenksteine an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.