München (epd). Der bayerische Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle (CSU) hat davor gewarnt, den islamistisch motivierten Antisemitismus zu unterschätzen. Zwar sei die absolute Zahl solcher Vorfälle gering, die Schwere der Fälle aber erschreckend, hieß es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. So seien islamisch oder islamistisch motivierte Vorfälle "überdurchschnittlich oft mit Bedrohungen, Angriffen oder extremer Gewalt verbunden", sagte Spaenle. Jeder antisemitische Vorfall sei einer zu viel. "Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Jüdinnen und Juden wie alle Menschen gleich welcher Religion ohne Gefährdung und Bedrohung ihren Alltag gestalten können", betonte er.

Der Beauftragte berief sich auf eine aktuelle Studie des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), nach der zwischen 2019 und 2025 zwar nur 1,8 Prozent aller dokumentierten Vorfälle - nämlich 564 - islamistisch motiviert waren, davon aber 15,1 Prozent von Gewalt geprägt gewesen seien. An den gesamten über 31.000 Vorfällen seit 2019 hatten jene mit Gewalt nur einen Anteil von 6,1 Prozent.

Antisemitismus: am häufigsten rechtsextrem und antiisraelisch

Häufiger als islamisch oder islamistisch war der Antisemitismus laut RIAS in den vergangenen Jahren rechtsextrem (3.662 Vorfälle) oder von antiisraelischem Aktivismus geprägt (5.445 Vorfälle). "Die Motiv- und Ursachenerkennung für juden- und israelfeindliche Vorfälle und Straftaten ist wichtig, und zwar für politisches und staatliches Handeln wie auch für die Einordnung der Entwicklung durch die Bevölkerung", sagte Spaenle laut Mitteilung. Er forderte "eine Kultur des Hinschauens", um gegen jede Form von Antisemitismus vorzugehen.