Burghausen (epd). Der evangelische Münchner Regionalbischof Christian Kopp hat den Zweifel gelobt. In seiner Predigt zur Wiedereinweihung der Friedenskirche in Burghausen sagte Kopp am Sonntag laut Predigtmanuskript, der Zweifel sei der Zwilling derjenigen Menschen, "die genau nachfragen und sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden geben." Er forderte dazu auf, skeptisch "gegenüber Dogmatikern und Lehrern irgendwelcher Orthodoxien" zu bleiben.

Es gebe viel zu zweifeln und zu verzweifeln, sagte Kopp. Zu einer seiner dramatischsten Erfahrungen gehöre, "der völlig sinnlose Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union." Dort hätten Lüge und Desinformation gesiegt. Der Premierminister lüge, das Internet sei voll von Fake News. Kopp nannte als Beispiel auch den russischen Außenminister, der die militärische Operation und den Tod von Tausenden Menschen mit den Nazis in der Ukraine rechtfertige. Lawrow wisse, dass er lügt, erklärte der Regionalbischof. "In Russland ist Zweifel schon lange verboten".

Hierzulande seien Zweifel erlaubt, sagte Kopp. Man dürfe auch das bezweifeln, was man bis gestern gedacht habe. "Keine und keiner von uns ist in den Brunnen der Weisheit gefallen". Weil keiner wisse, wie die Zukunft aussehe, müsse man um eine gemeinsame Linie immer wieder ringen.