Augsburg (epd). Der bayerisch-schwäbische Philosoph Wilhelm Schmid fordert in der Debatte um die Leihmutterschaft eine großzügige Regelung für Menschen mit Kinderwunsch. "Ich wünsche mir da mehr Mitgefühl, gerade von kirchlicher Seite: Man tritt für das werdende Leben ein, aber hier soll kein Leben werden dürfen - diesen Widerspruch muss auch die Kirche auflösen, statt ihn immer nur anderen vorzuhalten", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag). "Hören wir auf mit diesen sinnlosen Verboten und Tabus." Er habe volles Verständnis dafür, dass Menschen um jeden Preis Kinder haben wollen. Der Kinderwunsch könne unglaublich mächtig sein.

Nicht nur die Leihmutterschaft sei teuer, sondern die Fortpflanzungsmedizin insgesamt, sagte Schmid, dessen Schwerpunkt die Philosophie der Lebenskunst ist und der seit 2004 eine außerplanmäßige Professur an der Universität Erfurt hat. Auch Menschen, die sich es sich eigentlich nicht leisten können, nähmen notfalls Kredite auf, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Angesichts einer sinkenden Geburtenrate in Deutschland fragte er auch: "Wie wollen wir die Gesellschaft am Leben erhalten, wenn viele Leute keine Kinder kriegen wollen, aber kriegen können, und andere, die Kinder kriegen wollen, es aber nicht dürfen?" Dieser Widerspruch müsse aufgelöst werden.

Leihmutterschaft beutet Frauen nicht aus

Auch dem Argument, die Leihmutterschaft würde Frauen ausbeuten, widerspricht der aus Krumbach stammende Schmid. Ausbeutung bedeute, dass jemand eine Leistung erbringe und nichts dafür bekomme - das sei bei der Leihmutterschaft anders. "Zwei große Wünsche werden auf einmal erfüllt: der Wunsch nach einem Kind, den ich für aller Ehren wert halte, und der Wunsch, aus wirtschaftlicher Not herauszukommen."

Der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann hatten vergangene Woche öffentlich gemacht, per Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Dafür war Spahn heftig aus der eigenen Partei kritisiert worden, weil die CDU Leihmutterschaft ablehnt und an einem gesetzlichen Verbot festhalten will. Spahn war daraufhin als Chef der Unions-Bundestagsfraktion zurückgetreten.