Nürnberg (epd). Die Glocken der Nürnberger Sebalduskirche klingen ab Freitag, 11. April, gedämpft. Sie erhalten sogenannte "Glockenmuffen", sagte der Pfarrer der Sebaldusgemeinde Martin Brons am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit führe St. Sebald die englische Tradition der "Bell Muffles" in der Karwoche ein. Die "Bell Muffles" sind Lederbezüge, die auf den Glockenklöppel gezogen werden und so den Glockenklang dumpf färben. Von Sonntag bis Mittwoch werde nur eine Hälfte der Glocken gedämpft, ab Gründonnerstag (17. April) werde das ganze Geläut leiser klingen. Ab Ostersonntag ertönt wieder der volle Glockenklang. Nach Angaben von Brons ist die Sebalduskirche die erste Kirche in Deutschland, die Glockenmuffen anwendet.

In England würden die Muffen traditionell zu ernsten Anlässen verwendet. Dazu gehören die Karwoche genauso wie der Volkstrauertag und Beerdigungen von Staatsoberhäuptern. "Die gedämpften Glockenklänge irritieren, rufen zur Besinnung auf und unterstreichen die Trauer, Würde und Bedeutung dieser Momente im Unterschied zum gewohnten Geläut" sagte Brons. Er kündigte an, dass die Gemeinde der Nürnberger Ratskirche eine Läuteordnung entwickeln werde. Zum Beispiel am 2. Januar, dem Tag des großen Angriffs auf Nürnberg 1945, am Tag des Kriegsendes am 8. Mai oder am Volkstrauertag könnte man das akustische Signal setzen.

Den Anstoß zur Einführung hatte der neue Sebalduskantor Alexander Rebetge gegeben, der mehrere Jahre in England tätig war. Der besondere Klang der Glocken bewege die Menschen und lade zum Nachdenken ein, hat er dort erfahren. "Man läutet auf der gedämpften Seite eine Oktave nach unten. So hört man zwei verschiedene Tonleitern und es klingt, als würden zwei Instrumente miteinander singen", erklärte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Mit der Einführung der Glockendämpfung will die Gemeinde St. Sebald auch an ihre internationale Verbindung zur Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry anknüpfen, erklärte Brons. Diese weltweite ökumenische Gemeinschaft ist aus der Versöhnungsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und setzt sich für Frieden und Völkerverständigung ein.

In den beiden Türmen der Sebalduskirche in Nürnberg hängen vier Glocken aus dem Jahr 1952. Im Südturm befindet sich allein die größte Glocke, im Nordturm die drei anderen.