München, Rom (epd). Missbrauchsbetroffene aus dem Erzbistum München haben Papst Franziskus am Mittwoch bei einer Audienz einen Brief mit Forderungen überreicht. "Wir erwarten, dass Sie alles in Ihrer Macht Stehende tun, dass in alle Winkel der Weltkirche hinein das Thema sexueller wie spiritueller Missbrauch gesehen, aufgearbeitet und durch entsprechende Präventionsmaßnahmen unterbunden wird", heißt es in dem Schreiben an das katholische Kirchen-Oberhaupt laut einer Mitteilung des Erzbistums. Die rund 15 Betroffenen und ihre Begleiter waren seit dem 6. Mai auf einer Fahrrad-Pilgerreise in den Vatikan unterwegs.

Anfänge seien gemacht, aber es brauche weiter ein starkes, klares Engagement aller Verantwortungsträger "innerhalb der Kurie und in die Diözesen der Weltkirche hinein", heißt es in dem Schreiben weiter. "Bis heute ist der Weg der Heilung eine gewaltige Herausforderung, einigen gelingt er unter mühsamem Ringen, für andere ist er - trotz allen Mühens und der Sehnsucht danach - nicht möglich." Als Betroffene seien sie "verwundete, gedemütigte und für ihr Leben gezeichnete Frauen und Männer - zugleich aber auch Frauen und Männer, die sich nicht mit dem Geschehenen abfinden."

Zudem übergaben die Pilgerinnen und Pilger an Papst Franziskus eine Ausgabe des Kunstwerks "Heart" von Michael Pendry. "Die Opfer von Missbrauch und Gewalt aus dem Erzbistum München und Freising kommen Ihnen, Heiliger Vater, mit offenen und zugleich verwundeten Herzen entgegen", heißt es im Schreiben an das katholische Kirchen-Oberhaupt. Das Kunstwerk zeige ein Herz, das viele offene Stellen habe, Einblicke zulasse, kantig und verletzt sei. Die Erwartungen und Hoffnungen der Gruppe hätten sich erfüllt, hieß es nach der Audienz. Die Begegnung mit dem Papst sei sehr bewegend gewesen, sagte ein Teilnehmer.

Die Pilgerradler waren am 6. Mai in München aufgebrochen. Auch unterwegs setzten sich die Radpilger mit sexualisierter Gewalt auseinander und wollten dabei Veränderungen im Umgang mit Betroffenen und in der Aufarbeitung anstoßen. Organisiert wurde die Fahrt von Dietmar Achleitner, Richard Kick und Kilian Semel vom Betroffenenbeirat der Erzdiözese sowie Robert Köhler von der Initiative "Wir-wissen-Bescheid.de" des Vereins "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer".