Berlin, München (epd). Die Ländertour der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, führt vom 27. bis 29. Juli nach Bayern. Ziel der Tour sei es, gute Praxis sichtbar zu machen, den Austausch mit den Ländern zu intensivieren und fachliche Netzwerke zu stärken, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. Zu der Fahrt gehört auch ein Austausch mit Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) über die bayerischen Strukturen.
"Kinderschutz gelingt nur dort, wo er gelebt wird: in den Kommunen, in den Vereinen, in den Schulen. Besonders die Stimmen der Jugendlichen müssen wir hören und stärken - doch genau sie übersehen wir viel zu oft", sagte Claus, die zum Auftakt die Initiatorinnen und Initiatoren der Landtagspetition "Gewalt an Kindern und Jugendlichen entschlossen entgegentreten" trifft. Die fordert, analog zur Bundesebene, eine unabhängige Aufarbeitungskommission, eine oder einen Landesbeauftragten sowie einen Betroffenenrat für Bayern.
Digitale Streetwork im Blick
Weitere Stationen führen den Angaben nach zu Fachexpertinnen und -experten der Jugendarbeit, der Medienpädagogik und der Beratung: Beim JFF - Institut für Medienpädagogik stünden digitale Räume im Fokus, etwa die Frage, wie aufsuchende Angebote wie Digital Streetwork Betroffene erreichen und wie sexualisierter Gewalt, Sextortion und Radikalisierung in Online-Communities begegnet werden könne.
Weitere Termine sind in der Fachberatungsstelle KIBS, die männliche Betroffene berät, sowie der Anlaufstelle für Betroffene der Aufarbeitung Heimerziehung in München mit Anerkennungsleistungen, Antragsverfahren und kultursensibler Beratung geplant.
Im Herbst beginnt laut Claus die erste bundesweite Befragung von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern zur Prävalenz sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend. "Es freut mich, dass Bayern seine Genehmigung sehr zügig erteilt hat", so die Beauftragte. Die Studie soll künftig regelmäßig stattfinden. "Die Ergebnisse fließen in den Bericht der Bundesbeauftragten an das Parlament ein und schaffen die Grundlage für evidenzbasierte Politik."