München (epd). Mehr als 23.000 Menschen in Bayern haben im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen - 3.000 mehr als noch 2020. Dies sei ein starkes Signal gelungener Integration, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Rund ein Drittel, nämlich knapp 8.500, stammten aus EU-Ländern: Spitzenreiter sei Rumänien (2.418), gefolgt von Italien (1.096), Polen (815), Ungarn (718) und Griechenland (682).
Die meisten Menschen von außerhalb der Europäischen Union, die sich im vergangenen Jahr haben einbürgern lassen, stammen aus: Syrien (2.033), der Türkei (1.901), Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und dem Kosovo (zusammen: 1.792), dem Irak (1.147), Indien (709), Großbritannien (576), Afghanistan (574) und der Ukraine (432). Die Türkei hat damit erstmals seit Jahren ihren Spitzenplan verloren.
Die Welle an Einbürgerungen von Briten im Zuge des Brexit sei vorbei, sagte Herrmann. 2019 hatten noch 2.087 Briten die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt, 2020 waren es noch 905. Das Beispiel Großbritannien habe auch gezeigt, dass EU-Bürger über mehrere Jahrzehnte in Deutschland lebten und trotz herausragender Integration die deutsche Staatsbürgerschaft nicht anstrebten. Erst mit dem Brexit wollten Briten sich ihren dauerhaften EU-Bürger-Status erwerben, sagte Herrmann.
Er lade daher alle ein, ihren Anspruch auf Einbürgerung wahrzunehmen, sagte er. Die Einbürgerung sei nicht nur ein formaler Akt, sondern auch ein Zeichen dafür, dass sich die Menschen in Deutschland heimisch und als Teil der Gesellschaft fühlten. Herrmann plädierte dafür, dass Mehrstaatigkeit vermieden werden sollte, die Bundesregierung dagegen will sie ausbauen. Herrmann befürchtet Loyalitätskonflikte bei Menschen mit mehreren Staatsangehörigkeiten.