München (epd). Um das Kulturerbe der Seidenstraße besser zu erforschen, hat die Bayerische Staatsbibliothek einen Kooperationsvertrag mit der chinesischen Dunhuang Academy abgeschlossen. Die Vereinbarung schaffe die Grundlage dafür, dass die Bayerische Staatsbibliothek der Forschungsakademie im Nordwesten Chinas hochauflösende Digitaldaten von sechs Handschriftenfragmenten zur Verfügung stellt, teilte die Staatsbibliothek am Mittwoch mit. Die wertvollen Fragmente aus Dunhuang seien während der Tang-Dynastie (618 bis 907 n.Chr.) entstanden und enthielten buddhistische Texte. Die Staatsbibliothek verfüge über eine umfangreiche chinesische Sammlung von internationalem Rang.

Die Handschriften rund um die Seidenstraße seien heute auf verschiedene Bibliotheken und Museen weltweit verteilt, hieß es weiter. Zur Erforschung dieser Schriften kooperiere die Dunhuang Academy mit internationalen Partnern wie der Harvard University, der British Library und der Bibliothèque nationale de France. Ziel sei, die digital verfügbaren Bestände aus aller Welt in ein Online-Portal zu integrieren. Die Digitalisate der Bayerischen Staatsbibliothek "ergänzen diese internationale Forschungsinfrastruktur um einmalige Zeugnisse", so die Mitteilung.

Knotenpunkt auf Handelsweg

Die Oasenstadt Dunhuang war ein Knotenpunkt des im Mittelalter bedeutenden Handelswegs. Funde aus der Region gehören zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Zentralasiens. Berühmt sei insbesondere die um 1900 wiederentdeckte sogenannte Bibliothekshöhle mit tausenden Handschriften, Drucken und weiteren Objekten aus dem 4. bis 11. Jahrhundert. Sie gewährten "einzigartige Einblicke in Religion, Gesellschaft und den kulturellen Austausch entlang der Seidenstraße", hieß es.