Würzburg (epd). Würzburg wird um ein Gotteshaus ärmer - und um eine Sportstätte reicher: Die Pfarrkirche St. Andreas im Stadtteil Sanderau soll profaniert und künftig als Boulderhalle genutzt werden, teilte das Bistum Würzburg am Donnerstag mit. Geplant seien auch ein Yogaraum und ein öffentlich zugängliches Café. Auf dieses Konzept hätten sich die katholische Kirchenstiftung und die Betreiber der "Rock Inn" GmbH nach monatelangen Verhandlungen geeinigt.

Die Kirchenverwaltung habe zuvor nach einer tragfähigen Lösung für die St. Andreas und das Pfarrheim gesucht. Die Instandhaltung der Immobilien und der laufende Betrieb seien aber langfristig kaum zu bewältigen. "Uns allen war klar: Wir schaffen es einfach nicht mehr", sagte Pfarrer Tobias Fuchs. Deshalb habe sich die Kirchenverwaltung entschieden, für die vom Bistum mit "E" kategorisierte Kirche eine nichtkirchliche Nutzung zu ermöglichen. Der Antrag ans Bistum sei bereits gestellt.

Kirchengemeinde ist "dankbar" für gute Lösung

Bistumsweit seien rund 80 Gotteshäuser mit "E" eingestuft. Sie sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Erst im Februar sei die 1968 geweihte Andreaskirche offiziell als Baudenkmal in die Denkmalliste aufgenommen worden, heißt es weiter. Das bedeutet: Das Gebäude darf nicht eingerissen werden. Für langjährige Gemeindemitglieder sei dies ein wichtiger Schritt gewesen. Viele verbänden mit der Kirche Erinnerungen.

"Wir sind dankbar für den Glücksfall, dass sich schnell eine gute Lösung für den Erhalt von Kirche und Pfarrheim gefunden hat", sagte Pfarrer Fuchs. Das Nutzungskonzept der Würzburger Boulderhalle "Rock Inn" habe überzeugt. Für den Co-Geschäftsführer des "Rock Inn", Andreas Schmitt, selbst Architekt, sei der neue Standort nicht nur baulich sehr ansprechend. "Eine Kirche ist ein Ort, der eine Gemeinschaft zusammenführt. Auch wir verstehen uns als Einrichtung, die Menschen zusammenbringt."

Boulderhalle soll im Sommer 2027 eröffnen

Eröffnet werden soll die Boulderhalle im Sommer 2027. Bis dahin seien noch umfangreiche Umbauten nötig, sagte Architekt Roland Breuning. Unter anderem müssten Brandschutzauflagen umgesetzt, Umkleiden geschaffen und auch ein Bistro, ein Kinderbereich und eine Yoga-Abteilung errichtet werden. Gebouldert werde auf einer Galerie, die wie ein Möbelstück in den Raum eingestellt werde. Ziel sei, mit den bestehenden Räumlichkeiten möglichst zurückhaltend umzugehen.

Katholische und evangelische Kirchen verlieren derzeit massiv an Mitgliedern - und damit auch an Kirchensteuereinnahmen. Seit 2015 wurden deutschlandweit, meist aus Kostengründen, bereits rund 1.000 Gotteshäuser umgenutzt, verkauft oder abgerissen. Dieser Trend wird sich aufgrund des Mitgliederschwunds und der rückläufigen Finanzmittel der Kirchen in den nächsten Jahren fortsetzen.