Hilpoltstein (epd). Naturschutzverbände haben vor dem Verlust der natürlichen Klimaschutzfunktion deutscher Landschaften gewarnt. Der Grün-Kühl-Feucht-Index (GFKI) 2026 zeige bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei den Themen Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung noch sei, teilte der Naturschutzverband LBV am Dienstag in einer Presseerklärung mit. Das Ergebnis des Index sei alarmierend: "Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern", hieß es.

Auch in Bayern bestehe Handlungsbedarf, betonte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Naturschutz dürfe nicht länger als "freiwillige Zusatzaufgabe" betrachtet werden. "Der Erhalt und die Wiederherstellung intakter Lebensräume müssen endlich die notwendige Priorität erhalten, damit Bayern lebenswert bleibt." Dazu gehörten wiedervernässte Moore, lebendige Wälder und strukturreiche Agrarlandschaften. Ein Abbau von Umweltstandards oder die mangelnde Umsetzung europäischer Naturschutzgesetze seien nicht hinnehmbar.

Renaturierung hilft

Der Grün-Feucht-Kühl-Index wird vom Naturschutzbund (Nabu) und dem Econics-Institut Eberswalde erstellt. Seine Ergebnisse beruhten auf Messdaten wie hochauflösenden Satellitenaufnahmen, betonte Studienautor Pierre Ibisch laut Mitteilung. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume wiesen bei den drei Faktoren grün, kühl und feucht häufig Defizite auf. Der bundesweite Trend sei negativ.

Gleichzeitig zeige der Index, dass Renaturierungsmaßnahmen wirksam seien. "Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen, etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten", erklärte Ibisch.